Wanderfahrt Rhein-Neckar – nur die Harten komm´n in´n Garten


7. September 2014 / Melanie Götz

Melanie und Benedikt luden zu einer ambitionierten Sommerferien-Wanderfahrt von Karlsruhe nach Bad Cannstatt vom 20.08 bis 24.08 ein. Mit recht herausfordernden Tagesstrecken inkl. der 86 km langen Königsetappe (davon immerhin Zweidrittel auf dem Neckar gegen den Strom) richtete sich das Angebot eher an das sportlich-ambitionierte, Langstreckenregatta-orientierte Klientel des KRA. Ob jetzt das Anforderungsprofil, der Ferientermin oder das recht üppige Wanderfahrten-Angebot des KRA die Ursache für die eher mäßige Rückmeldung war, wird ein süßes Geheimnis bleiben. Ruderwillige Alemannen gab es schließlich 6 an der Zahl, von denen allerdings maximal 5 an einem von 3 angebotenen Terminen, eben dem 20.08 bis 24.08, konnten. Das mit 5 Teilnehmern verbundene Bootsproblem – ein 4x+/5x- bietet nicht genug Platz fürs Mehrtagesgepäck und bei 2 Booten muss immer eine Crew im eher spaßarmen 2x rudern – löste sich zuletzt durch eine Absage auf: So war für das schlussendliche Vierer-Grüppchen Melanie, Benedikt, Gloria und Matthias A. natürlich „Gottfried“ das Boot der Wahl.

Tag 1: Vom KRA nach Speyer

Aufgrund der Übernachtungsgelegenheiten am Neckar sah der Fahrtenplan zum Auftakt eine Kurzetappe nach Speyer vor. Obwohl das komplette Team schon deutlich vor der ausgemachten Zeit um 17:00 Uhr eintraf, konnte der geplante Ablegetermin um 17:30 Uhr nicht eingehalten werden. Die Vorbereitungen dauerten dann doch mal wieder etwas länger als eingeplant, zumal noch einige Feinjustierungen an Gottfried vorgenommen werden mussten. So war es fast 18:00 Uhr, als endlich abgelegt wurde und damit ein gewisser Druck vorhanden, diese Einroll-Etappe sportlich anzugehen, um vor dem Sonnenuntergang um ca. 20:30 Uhr in Speyer anzukommen. Die Tatsache, den Paddelhaken am Steg zu vergessen, entspannte die Situation nicht wirklich. Zum Glück wiesen ein paar aufmerksame Alemannen auf den Lapsus hin (Danke dafür!), so dass das für die zahlreichen Schleusungen lebensnotwendige Utensil nach einem „Kommando zurück“ noch eingeladen werden konnte.

In der schnelleren Konstellation als 4x- (durch den mitgeführten Steuersitz hatte man auch die Option, als 3x+ zu rudern…) machte man ordentlich Betrieb. Matthias´ Wunsch-Vorstellung eines Stundenmittels von 20 km/h auf dem Rhein konnte nahezu umgesetzt werden. Bei der ersten Trinkpause nach knapp 30 km erschien es dann als sicher, der WasSchPo keinen Grund für Beanstandungen hinsichtlich Ruderns nach Sonnenuntergang zu geben. Die restliche Strecke konnte dementsprechend mit etwas gebremsterem Schaum angegangen werden. Hallo-Wach-Schiffe bzw. -Bojen hielten dabei Konzentration und Motivation aufrecht.

Das Anlegemanöver am Steg der RG Speyer erfolgte schließlich noch bequem vor der Sonnendefinierten Deadline. Übernachten durften wir im sehr geräumigen Kraftraum des Bootshauses, natürlich nicht ohne davor im benachbarten italienischen Restaurant mit den großzügigen Mehrpersonenportionen Tiramisu für hungrige Ruderer noch kräftig Essen zu fassen. Nährstofftechnisch waren wir damit für Großkampftag 2 gut aufgestellt…

Tag 2: Von Speyer nach Eberbach

Ca. 2 Stunden hinter dem Fahrtenplan zurück (ein Start um 6 Uhr, eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang, war aber auch sehr ambitioniert…) stachen wir wiederum als 4x- in See. Die zu bewältigenden 86 km der Königsetappe, 28 stromab auf dem Rhein und 58 gegen die Strömung auf dem Neckar, erschienen mit weniger Totgewicht realistischer zu bewältigen, zumal man ja ohnehin zahlreiche (Zwangs-)Ruderpausen im Rahmen der Neckarschleusungen haben würde. Der Abschnitt auf dem Heimatgewässer wurde recht flott absolviert. Die Anbringung der festen Entchen-Abdeckung und die 2-Streifen-Abklebung der Ausleger erwiesen sich wie am Vortag als gute Entscheidung, wobei es auf dem sonst zumeist eher fiesen Spundwandabschnitt von Mannheim erstaunlich ruhig war.

Beim Einbiegen auf den Neckar wurde unmittelbar bewusst, um wie viel härter hier jeder einzelne Kilometer erkämpft werden musste – nix mehr vorbeifliegenden Landschaften wie auf den 68 Rhein-Kilometern – sondern ein sehr bewusstes Wahrnehmen all der Dinge am Rande des Fließgewässers, die auf diesem Unterlaufabschnitt nicht allzu interessant waren und nur wenig Ablenkung brachten. So konnte man sich bis nach Heidelberg sehr gut aufs Rudern konzentrieren. Abwechslung brachten nur die beiden Schleusen und abschnittweise auch das Ärgernis lang anhaltender Wellen auf den kanalisierten Abschnitten nach Schiffsverkehr.

Eine Mittagspause gönnten wir uns in Heidelberg am Steg der Heidelberger RG. Nicht so hübsch wie die Neckarwiesen auf der Seite des Heidelberger Ruderklubs, aber dafür auch nicht so exponiert hinsichtlich der Erledigung körperlicher Bedürfnisse, denn so mitten am Werktag sind Bootshäuser nun halt mal eher weniger geöffnet. Nach der schönen Durchfahrt durchs historische Heidelberg wurde es auf dem Abschnitt durch den südlichen Odenwald nach der Schleuse bei Neckar-km 26,1 landschaftlich deutlich attraktiver. Ohne Frage befuhr man in dieser zweiten Tageshälfte von Tag 2 den schönsten Neckabschnitt – insbesondere das Städtchen Neckarsteinach lud eigentlich zum Anhalten an, aber man hatte ja noch einiges vor und wollte nicht zu spät in Eberbach ankommen. Nachdem auch die letzte, sechste Schleuse des Tages bei Hirschhorn passiert war, hätte man es eigentlich ruhiger angehen lassen. Stattdessen war ein deutlicher Drang des Teams zu spüren, die Ochsentour rasch zu einem Ende zu bringen. So ballerten wir die letzten 10 km durchs wunderschöne Eberbacher Ruderrevier, um dann noch einen sauberen Endspurt über die letzten 2 km mit Schlagzahl 24 bis 25 zu fahren. So, wie man sich das bei einer entspannten Genuss-Wanderfahrt halt vorstellt…

In Eberbach wurden wir vom Hausmeister der RG Eberbach empfangen und in der Bootshalle einquartiert. Neben der extremen Dominanz gelbfarbener Boote (wie langweilig! 😉 ) beeindruckte die große Sauberkeit. In der KRA-Halle würde man sich oder das Gepäck nicht unbedingt an jeder Stelle ausbreiten wollen – hier kein Problem. Mit einem Gastro-Tipp des hilfsbereiten Hausmeisters (Anforderungsprofil: viel – gut – günstig) im Gepäck ging es nach kurzem Erfrischen und Aufhübschen nach Eberbach City. Auf dem Rückweg vom Einkaufszentrum warfen wir bei Sichtung des All-You-Can-Eat-Buffets eines China-Restaurants die Planung über den Haufen. Der Hinweis, es sei zu der fortgeschrittenen Stunde nicht mehr alles ganz heiß wurde von den Heißhungrigen mit einem wohlwollenden „dann kann man schneller Essen“ gekontert. Viel war´s, und lecker war´s obendrein – reichlich vollgefressen kugelten wir zum RGE-Bootshaus zurück.

Tag 3: Von der RG Eberbach zu den Ruderschwaben in Heilbronn

Leicht verspätet, aber nicht vergleichbar weit hinter dem Zeitplan zurück wie am Vortag, legten wir bei weiterhin sonnigem Wetter mit gemäßigten Temperaturen in Eberbach ab. Der Tagesplan sah zwar deutlich weniger Ruderkilometer als bei der Königsetappe vor, aber 56 Gegenstrom-Kilometer und 6 Schleusen waren auch kein Pappenstiel und erforderten eine ordentliche Grundgeschwindigkeit und Disziplin. So setzte man die Fahrt zunächst auch weiterhin als 4x- fort. Fokussiert arbeitete man sich weiter neckaraufwärts, passierte die Schleusen in Rockenau und Guttenbach.

Nach Absolvierung fast der halben Tagesetappe lud der Steg des RC Neptun Neckarelz zur Mittagspause und einem ausgiebigen Ausstrecken der Extremitäten ein. Ab hier kam dann der bisher nur als Bordgepäck mitgeführte Steuersitz endlich seiner eigentlichen Bestimmung nach, und die Fahrt wurde mit etwas verminderter Geschwindigkeit, aber nicht minder intensiver Ruderei, als 3x+ fortgesetzt. Nach 2 weiteren Schleusen diente der Steg des RV Bad Wimpfen für eine weitere Pause an Land und dem Kräftesammeln für die finalen, landschaftlich weniger ansprechende 14 Ruderkilometer.

Eine neue Erfahrung brachte Wanderfahrt-Schleuse Nr. 12 am Alten Neckar in Heilbronn, ca. einen Kilometer vor dem Tagesziel: selbst Hand anlegen war angesagt im Wilhelmskanal mit seiner Schleusenanlage aus dem frühen 19. Jahrhundert. Für die zwei Ruderer an den Kurbeln war es mehr körperliche Arbeit als erwartet und für die zwei im Boot anstrengender als ihnen lieb war, das Boot im turbulenten Wasser gerade und unter Kontrolle zu halten. Schlussendlich ging alles rund, dauerte aber ganz schön lange und die tapferen Alemannen wussten im Nachhinein die automatischen Schiffsschleusen umso mehr zu schätzen.

Bei den Ruderschwaben wurden wir schon erwartet und eingewiesen. Übernachten durften wir einmal mehr im Kraftraum. Im Gegensatz zum Vortag wurde der Restaurant-Tipp „Hans im Glück“ sofort umgesetzt. Zum einen öffnete das benachbarte KAUFLAND laut Infotafel um 6:30 Uhr und erlaubte einen morgendlichen Einkauf der Frühaufsteher, zum anderen war der Weg zum Restaurant auch so kurz, dass gar nichts anderes in die Quere kommen konnte. Einmal mehr war es eine gute Wahl – und das ausgesprochen leckere Bier aus Andechs gibt es schließlich auch nicht an jeder Ecke…

Tag 4: Von Heilbronn nach Marbach

Am nächsten Morgen durften Melanie und Matthias feststellen, dass das KAUFLAND-Parkhaus um 6:30 Uhr öffnete, der Laden selbst aber erst um 7:00 Uhr. Hmmmpf – wer (genau) lesen kann, ist besser dran! Nachdem wir anschließend beim Frühstück nicht wirklich hudelten, begann ein weiterer Rudertag deutlich später, als eigentlich vorgesehen. Angesichts der übersichtlichen Ruderstrecke von nur 43 Kilometern bei 5 Schleusen ließ sich dies in Anbetracht der bereits erbrauchten Tagesleistungen entspannt verkraften.

Dass allerdings nicht immer alles nach Plan verläuft, durften wir schon an der ersten Schleuse nach weniger als 4 km feststellen: wir wurden nicht geschleust und zudem war die nächste Aufwärts-Schleusung bereits von einem herannahenden Frachter gebucht. Eine gute Gelegenheit, mal eine Umtragevorrichtung mitsamt Bootswagen zu testen! Der Bootswagen musste hierfür allerdings erst mal aus seiner misslichen Lage ca. einen halben Meter unter der Wasseroberfläche befreit werden, was mit viel (Wo-)Manpower Melanies auch gelang. Das Aufladen des Bootes auf den Wagen war ein weiterer Kraftakt und die ruckelige Umfahrung der Schleuse auf Schienen wurde immer wieder durch Engstellen erschwert. Während Vegetationshindernisse noch als natürliche Erschwernisse akzeptierbar waren, so rief ein die Auslegerspannweite nicht berücksichtigendes Geländer dann doch Kopfschütteln über die Erbauer hervor. Auf der positiven Seite stand, dass wir hauchdünn vor dem Frachter wieder los fuhren; auf der negativen, dass das Ganze doch reichlich beschwerlich gewesen war – Prädikat: eher weniger empfehlenswert!

Noch vor Erreichen der nächsten Schleusenanlage in Lauffen machten Gelenkprobleme einen außerplanmäßigen Wechsel der Ruderkonstellation notwendig. Wir fuhren wieder gesteuert, hinzu auch noch hinter dem unsportlichen Frachter hinterher, der diesen Augenblick der Schwäche gnadenlos zum Überholen ausgenutzt hatte. Die Umtrageanlage von Lauffen ließen wir allerdings links liegen und machten stattdessen nach nur 12 Ruderkilometer eine vorgezogene Mittagspause. Ansonsten wäre dieselbe Konstellation des zeitgleichen eintreffenden Frachters nur von Schleuse zu Schleuse verlagert worden.

Eine knappe Stunde später hatten wir in Form zweier Motoryachten geeignetere Begleitung, mit denen wir uns die Kammer auch während der restlichen drei Schleusungen des Tages teilen sollten. Zudem stellten die Freizeitkapitäne geeignete Sparringsgegner dar. Wenn wir uns – wieder als 4x- rudernd – entsprechend ins Zeug legten, konnten wird die Yachten in Schach halten. Dementsprechend fühlten sich die nächsten 3 Etappen eher wie Elfstedentocht-Ballerei denn wie entspannte Wanderfahrt an. Ein Überhitzen der Ruderer wurde aber ab 15 Uhr durch die vorhergesagte, dauerhafte Berieselung von oben verhindert. So waren wir bei kühlem Schmuddelwetter auch dankbar, als das Ende dieses vorletzten Rudertages nahte. Kurz vor Erreichen des Ruderverein Marbach hatten wir nach ca. 225 Wanderfahrt-Kilometer dann auch tatsächlich noch die erste Begegnung mit Ruderbooten auf Wasser – ansonsten hatte es bisher nur in Eberbach und Heilbronn Steg-Begegnungen mit Ruderern gegeben.

Nachdem das griechische Freiluftrestaurant beim Bootshaus wetterbedingt geschlossen war, führte die Suche nach Essbarem zumindest zu einem kleinen Kulturprogramm im, bzw. zu einem Stadtbummel durchs Schillerstädtchen – sehr hübsch. Wir waren jedoch eher aufs leibliche Wohl fokussiert und nachdem wir in der Pizzeria, an der wie unseren Rundgang begonnen hatten, ohne Reservierung keinen Platz bekamen, wurde schließlich doch der Türke von nebenan die Gaststätte der Wahl. Das Fazit war, dass man auch für weniger als der halben Geldmenge der Vorabende die Ranzen sehr schmackhaft zum Spannen bekommen konnte. Nach einer zum Wetter passenden Runde heißen Tees brachten wir in Umkleideraum und Bootshalle auch die vierte und letzte Isomatten-Nacht rum. Halleluja!

Tag 5: Von Marbach nach Bad Cannstatt

Nur noch 23 km und 4 Schleusen bis zum Ziel, die Sonne lachte auch wieder – die Welt war schön! Den letzten Tag ruderten wir zwar wieder ungesteuert, allerdings doch etwas lockerer als die Tage zuvor. Es fühlte sich tatsächlich ein klein wenig nach Wanderfahrt an. Im Gegensatz zum Vortag liefen die Schleusungen fast ohne Wartezeit ab. Lediglich an der letzten Schleuse ca. 2,5 km vor dem Ziel am Stuttgart-Cannstatter RC mussten wir auf ein WaSchPo-Boot warten, das unbedingt mit uns geschleust werden wollte. Auch diese letzte Staustufe wurde ohne Zwischenfälle erklommen und ein an Schleustrophobie leidender Teilnehmer konnte endlich entspannen.

Gegen 13 Uhr war es vollbracht: nach 250 geruderten Kilometern und 21 Schleusungen waren wir am Ziel, das sich dankenswerterweise weniger als 70 km Luftlinie von zuhause befand. Bis zur Abholung durch Stefan W. um 15:00 Uhr konnte noch entspannt abgeriggert und auf dem StCRC-Bänkle bei Sonnenschein große Teile der verbliebenen Leckereien vertilgt werden. Ein schönes Ende einer schönen Wanderfahrt, die gleich 3 Wünsche auf einmal erfüllte: Wanderfahrt, langstreckenspezifisches Training und nicht zuletzt Geselligkeit mit viel Frotzeleien unter dem biblischen Motto „Geben ist seliger als Nehmen“… 😉

Danke an Melanie und Bene für die Orga und Stefan fürs Abholen! 

Bericht von Matthias Auer