Les Fous de Nefs – die Schiffsnarren in Strasbourg


20. Juni 2019 / Josef Gravenhorst

Am Freitag – ja, erst am Freitag zur Fahrt mit dem Auto – fanden sich immerhin sieben Narren am KRA ein um die Reise nach Strasbourg zu beginnen. Die Schiffsnarren dort hatten zu gesammelter Ausfahrt gerufen. Dem Gastland entsprechend waren Moder und Nancy schnell abgeriggert und dann ging es auf verworrenen Wegen, dem freundlichen Wikingertransport hinterher, zum Ziel. Bei Aviron 1881 von Pierre empfangen: In der Häuserzeile öffnen sich zwei Garagentore – dahinter ein schmucker, rennbootlastiger Bootspark, vom Feinsten könnte man ihn schon nennen. Der Clubraum sollte unsere Bar werden, der Ergoraum unterm Dach unsere Bettstatt.

Nach der Abfahrt des Hängers und Riggern ein erstes Erkunden der Stadt – Flammkuchen bei Flam’s, umgeben von Austauschstudenten und einem bemerkenswerten Geräuschpegel. Dann doch zum Abschluss des Auftakts in den Clubraum – das Wikingerhängerdankesbier ist nun gut gekühlt.

Samstag Morgen frische Croissants, da verzögert sich die Abfahrt schon mal. Wir umrunden die Stadt auf Kanälen und Häfen zum Sammelpunkt der närrischen Schiffer. Die Schleusung läuft gut, ein bisschen spät sind wir dann dran – alle anderen schon aufgebrochen zur Nachtweid. Hinterher gerudert entlang der idyllischen Ill kommen wir doch nicht als Letzte an. Auf der Nachtweidwiese finden sich schon einige Ruderboote – Rastatt, Speyer, Mannheim, Worms, alle sind sie da. Bei Tanzmusik, einem Flammkuchen und Elsässer Cola entfliehen wir der Mittagshitze, ab drei dürfen wir zurück. 150 Boote sind dabei, dreißig davon gerudert: Vom Einer mit Steuermann bis zum Riemenvierer ist alles dabei, auch als Klinkerboot mit Blättern älter als Mâcon. Und bei den Kanuten: Als wäre es ein Wildwasser für manche, ein Hochseeevent für andere oder – für zwei Drachenboote voller rosa Damenschöpfe – die Ill ein Nebenfluß das Yangtse.

Nach der Kahnminute vom Cercle d’Aviron ans andere Ufer sammeln wir noch unsere Festivalbändchen ein, sparen uns am Abend aber den Biergarten in der Petite France. Nach einem Besuch bei einem nahen Italiener endet der Abend doch wieder im Clubraum – und es sollte nicht viel bleiben von dem Dankeskasten der Wikinger.

Sonntag nach den Croissants ein zeitiger Abmarsch zum Ruderkreis und wir sind pünktlich da. Und doch beginnt nun der heikle Teil des sonst fröhlichen Berichts: Wenn 150 Boote durch eine Schleuse müssen, dauert es eine Weile. Wir drängeln nicht und genießen das Becken hinter der Barrage Vauban – schon ein beeindruckender Bau, auch vom Wasser aus. Das Becken leert sich und auch die letzte Schleusung um die Mittagszeit ist noch gut gefüllt. Nur viel Strecke haben wir da noch nicht gemacht: War es ein Kilometer in den drei Stunden? Diese zermürbende Übung führte denn auch zur Zerfaserung der Gruppe – aber dafür waren wir ja zwei Boote. Stadtbesuch, geplante, noch frühere Heimfahrt, und drei die doch noch wissen wollten, was am Ziel wartet: Eine Trommelgruppe, Urkunden und ein Andenken für alle. Um sechs wieder a Verein, war die frische Närrin bereits bereits für den abgereisten Narren erschienen. Ein letzter Restaurantbesuch – nicht indisch, aber exzellent chinesisch. Danach war der Clubraum mit seiner reduzierten Auswahl an Flüssigem und der kurzen Nacht zuvor keinen langen Aufenthalt mehr wert.

Am Montag keine Croissants – auch hier ein Feiertag. Der gute Pierre von Aviron 1881 gibt uns bis zum Steg Geleit und mit mäßigen Wetteraussichten machen wir uns auf den Heimweg. Den Überweg in die Ill meistern wir so und anders (beides geht), vergessen keinen Enterhaken und fahren dann im Niesel, in der Sonne, im Regen, unter Wolken die Ill hinab zum Rhein. Der Rhein – ohne Strömung! Wir kommen bei den perfekten Temperaturen gut voran. Der Wasserstand erlaubt die Fahrt im Sandbach um die Schleuse Iffezheim herum. Von da dann den Rhein munter hinab, immer an den Flüsschen und Altrheinarmen vorbei, die mindestens eine Närrin auch persönlich kennt – hier gibt es viel zu entdecken, ihr lieben Rheinklubber, die ihr bis hier gelesen habt!

Mit zunehmend doch kräfitgerem Regen erreichen wir um kurz vor halb sieben unser trautes Heim. Das Aufräumen dieser Wanderfahrt mit nur einer Riggerrunde ist schnell erledigt. Danke an alle, war eine schöne Fahrt! Merci aux amis de l’Aviron 1881 pour l’hébergement! Wir kommen bestimmt wieder. Denn: Jetzt kennen wir ja die Strecke. Ohne ist es nicht zu machen bis hinauf, lohnend schon. Oder mindestens bis zur Sauer, nach Beinheim, zum Goldkanal, versuchen wir Rastatt selbst mal wieder?

Bericht und Bilder: Johannes