215-km-Wanderfahrt vom 09.06. – 15.06.2014 auf der Fulda und Weser


22. Juni 2014 / Wolfdietrich Jacobs

09.06.2014: Karlsruhe – Wilhelmshausen (Keine Ruderkilometer ;-))

Abfahrt am Rheinhafen in KA war um 12:30 Uhr: Martin und Henning stellten ihre Autos zur Verfügung, um Svanja, Andreas, Conny und last but not least Hector mitzunehmen. Auf dem Weg zum Startpunkt nach Wilhemshausen haben wir noch Franzi in Bensheim auf dem Rastplatz eingesammelt. Gegen 16 Uhr trafen wir in Wilhelmshausen bei hitzigen 33 Grad ein. Wohlgemerkt ging bei Martin im Auto die Klimaanlage nicht und umso mehr freuten wir uns auf eine Abkühlung in der Fulda. Um 19 Uhr stieß dann unser Organisator WD und Obfrau Jutta mit dem Bootstransfer der drei Boote Karli, 1901 und Moder zu uns. Nach dem leckeren Abendessen von Franzi und Svanja (Nudeln mit Soße, einmal vegetarisch und einmal mit Fleisch) ließen wir den Abend gemütlich auf dem Bootssteg ausklingen. Fast müde amüsierten wir uns über Martins Theorie mit den geschorenen farbcodierten Schafen in Irland. Auch lauschten wir Franzi zum Infogehalt von Lebensmittel, die analog hergestellt werden (Aromastoffe meiden!). Übernachtet haben wir im Wassersportzentrum der Uni Göttingen in komfortablem Zimmern: mit Betten ;-)) Dies sollte sich an den nächsten Tagen ändern.

10.06.2014: Wilhelmshausen – Hann. Münden (6 Ruderkilometer auf der Fulda)

Um 8 Uhr brachten WD, Henning und Martin ihre Autos zum Zielpunkt nach Minden, um die Rückreise angenehm zu gestalten. Währenddessen wurden die Boote geriggert. Anschließend wollte der Rest der Mannschaft für das kommende Frühstück einkaufen gehen. Doch aus dem ursprünglich chilligen Tag mit lediglich 6 Ruderkilometern wurde nichts: An der Schleuse lasen wir zufällig das Schild, dass die Schleuse ab 11 Uhr wegen Wartungsarbeiten (Austausch der Software) nicht zu passieren sei. Hinzu kam noch eine ernstzunehmende Unwetterwarnung für den Raum Göttingen. Somit musste die ursprüngliche Planung von WD über den Haufen geworfen werden und Eile war geboten: Zügig wurde das Gepäck in die Boote verstaut, in der Hoffnung, noch die erste Schleuse passieren zu können und lediglich an der zweiten Schleuse umtragen zu müssen. Mit zwei Booten machten wir uns dann auf zur Staustufe Wilhelmshausen und wurden zum Glück noch geschleust. Das Glück sollte uns nicht verlassen, denn auch die zweite Staustufe knapp 4 km später in Bonaforth hatte für uns noch geöffnet. So erreichten wir den Mündener Ruderverein trockenen Fußes. Den Rest des Tages konnten wir im Schatten von Lindenbäumen genießen. Gegen Abend traf schließlich unser drittes Boot mit Wolfgang, WD, Henning und Martin nach zweimal Umtragen ein; somit war die Gruppe komplett. Zum Abendessen gingen wir in den Rathauskeller, verbunden mit einem Abendspaziergang und Blick auf den Weserstein bei Weser-Kilometerstand null. Der Abend auf dem Rathausplatz war recht unterhaltsam: Trugen doch die nahenden Gewitterwolken zu den Gesprächsthemen bei. Letztendlich hat uns die drohende Unwetterfront vom Rathausplatz in den Gewölbekeller vertrieben. Nachdem wir nun in der Gaststätte das Gewitter ausgesessen hatten (Hat uns der Koch tatsächlich Feta an Stelle von Mozzarella auf den Salatteller geschmuggelt?), trieb uns ein Regenguss eilig zurück zum Ruderverein. Dort brach ein zusätzliches Donnerwetter aus: „Wer hat die Fenster nicht geschlossen?“! (Es lagen Schlafsäcke darunter.)

11.06.2014: Hann. Münden – Beverungen (ca. 54 Ruderkilometer – ab hier auf der Weser)

Die geplante Anfahrt um acht Uhr war wegen des Gewitters unmöglich. Die Fulda stieg schnell an, so dass der Bootssteg zum größten Teil untergegangen war und von Enten als Badesteg genutzt wurde. Wir warteten auf der überdachten Terrasse und losten die Boote und Besatzung aus. Franzi nutzte die Gelegenheit zum Stricken. (Ob sie nicht doch damit ein Fahrrad am Straßenrand verkleiden wird?) Ein Teil der Gruppe machte sich trotz Regen zur Schleuse auf, um die Zeiten abzuklären. Die Frau Schleusenwärtin gab uns sehr zuversichtlich Auskunft, dass der höchste Pegelstand mitten in der Nacht gewesen war und sie uns ohne Probleme schleusen werde. Als der Regen am Mittag endlich aufhörte, wurden wieder schnell die Boote gepackt und zur Abfahrt vorbereitet, denn am frühen Abend war wieder Regen und Gewitter vorhergesagt. Genauso schnell wie das Packen ruderten wir die Strecke. Auf dem Wasser wurde das Tauschen der Ruderplätze geübt. Die Streckenlänge war gut für Anfänger zu schaffen, da man ständig durch neue Eindrücke auf der Strecke, z. B. Fähren, abgelenkt war. Übernachtet haben wir im kleinen Saal des Wassersportvereins Beverungen. Hier konnten wir mit Duschmarken ausgiebige 4 Minuten duschen. Da muss wohl die Männerdusche luxuriöser als die Frauendusche gewesen sein, da trotz 4 Minuten Duschzeit pro Marke lediglich Wassertropfen aus der Brause krochen. Geschafft aßen wir dann bei sonnigen Abendstrahlen in der Gastronomie des Bootshauses á la Karte. Für einen unserer Vegetarier gab es eine zweite Portion. Manche der Gruppe genossen noch einen kurzen Abendspaziergang in den Ort. Eine Besonderheit in Beverungen war, dass es wohl nur einen Frisör im Ort geben muss. Unschlüssig war sich die Gruppe jedoch, ob dieser nicht zugleich einen Hundefrisursalon betreibe.

12.06.2014: Beverungen – Holzminden (ca. 30 Ruderkilometer)

Nach einem überschaubaren Frühstück („Die Brötchen sind abgezählt!“) ging es gemütlich on Tour. Das Wetter war zum Rudern genau Richtig: nicht zu heiß und ohne Regen. Interessant war die Fahrt vorbei am Schloss Corvey und einem militärischen Übungsgelände (Hier wurde dem Anschein nach herumstehen geübt?). Auch die Begegnung auf Fluss mit einem Ausflugdampfer ließ keine Hektik aufkommen. Zeitlich sehr früh konnten wir in Holzminden anlegen und spähten nach Bezug unserer Unterkunft die Altstadt (mit sehenswerter Kirche) aus. Zur Freude und Überraschung stießen am Abend Andi und Hannah, die mit einigen von uns in 11steden waren, zu uns. Hungrig ging es abends zum Pizza essen beim Italiener. Die Geschwindigkeit bei der Zubereitung unserer Speisen war hier jedoch leider genauso gemütlich wie unser Tagesablauf. Zum Nachtlager schoben wir dann beim Ruder-Club Holzminden die Ruderergometer zur Seite und fielen schnell in den Schlaf.

13.06.2014: Holzminden – Bodenwerder (ca. 32 Ruderkilometer)

Die Ruderfahrt nach Bodenwerder war im Zweier mit unserem Obmann Markus sehr sportlich. Obwohl es bei einer Wanderfahrt eher gemütlich zugeht, konnte je nach Auslosung und Ambition die Fahrt auch etwas schneller werden. Die ersten beiden Boote legten fast zeitgleich in Bodenwerder an. Auf den Dreier unseres Obmanns WD musste diesmal über eine Stunde gewartet werden, denn heute wurde statt Muskeln das Gehirn strapaziert. Seine Bootsbesatzung hatte sich an diesem Tag fürs Segeln (= treiben lassen) entschieden und auf die angekündigte Sonnenfront gewartet. Das Abendessen gab es diesmal beim Griechen an der gegenüberliegenden Uferpromenade. Alle wurden satt und den Absacker Ouzo gab es als Besonderheit bereits vor dem Essen. Die Heimat des Barons von Münchhausen bietet viele Sehenswürdigkeiten. Unser Abendspaziergang führte uns zur leider geschlossenen Klosterkirche mit Grabstelle der Gebeine des Barons. Ein Ritt auf der Kanonenkugel fiel leider wegen Trockenheit aus. Auf dem Rückweg zur Übernachtungsstätte lockten einige Kirschen in Vorgärten, die wohl grenzwertig an der Grundstücksgrenze überhingen.

14.06.2014: Bodenwerder – Rinteln (ca. 55 Ruderkilometer)

Nach einem Frühstück de Lux im Ruderverein Bodenwerder ging es an die letzte längste Ruderetappe. Die Ruderkilometer wurden im Boot gerecht im Verhältnis Rudern und Steuern verteilt. An diesem Tag pausierte die Gruppe gemeinsam vor der Schleuse in Hameln. Für Pausenunterhaltung sorgte eine Krähe: Sie stibitze vor aller Augen mehrmals eingepackte Müsliriegel aus unserer Frühstücksbox, trotz vorübergehend aufgestellter menschlicher Vogelscheuche. Etwas müde gab es diesmal zum Abendessen Curry-Wurst beim Wasser-Sport-Verein Rinteln am Doktorsee-Gelände. Für Vegetarier und eigentlich überzeugte Schnitzelesser kochte Franzi Reis mit Gemüse.

15.06.2014: Rinteln – Minden (ca. 38 Ruderkilometer)

Nach unserem letzten selbstorganisierten Frühstück legten die Boote ab. Durch die Porta Westfalica und vorbei am Kaiser-Wilhelm-I-Denkmal ging die Fahrt zügig zum Schlusspunkt unserer Wanderfahrt. Nachdem die Boote abgeriggert und auf dem Anhänger verstaut waren, warf die Gruppe einen letzten Blick auf das Wasserstraßenkreuz Minden. Die Besonderheit dieses imposanten Bauwerkes der deutschen Wasserbaukunst war der Blick auf die Brücke: Wegen Sanierungsarbeiten war die Brücke ohne Wasser. Viel zu schnell folgte schließlich die Rückfahrt nach Karlsruhe, denn die Woche war wie im Flug vergangen.

Ein dickes „Dankeschön“ an unsere Obleute Markus, Franzi, Jutta und WD für die Fürsorge und Weitergabe ihrer Rudererfahrung sowie den hohen Spaßfaktor. Auf badisch ausgedrückt: „Großes Kompliment – es war einfach einmalig gut!“.

Conny Immesberger

Fotos von Conny Immesberger und Andreas Roth