Im Jahr seines 125-jährigen Bestehens lädt der Karlsruher Rheinklub Alemannia am kommenden Samstag, dem 20. Juni 2026, zur 14. Auflage von „All you can row“ (AYCR) ein. Die legendäre Langstrecken-Rudertour auf dem Rhein bewegt sich in diesem Sommer auf historischem Niveau: Mit aktuell 117 Meldungen schrammt die Kultveranstaltung nur um eine einzige Person am absoluten Allzeit-Melderekord vorbei. Insgesamt 25 Teams werden in gesteuerten Vierern, Dreiern und Zweiern an den Start gehen. Bei der einzigartigen Fahrt flussabwärts geht es nicht um Sekunden, sondern um die persönliche Grenzerfahrung, echten Teamgeist und das pure gemeinsame Erleben auf einer der anspruchsvollsten Wasserstraßen Europas.
Atlantik-Erfahrung, Premieren-Clubs und süße Grüße aus Halle
Das diesjährige Teilnehmerfeld unterstreicht eindrucksvoll den überregionalen Status der Tour. Die 117 Aktiven reisen aus insgesamt 37 Rudervereinen aus ganz Deutschland und der Schweiz an. Unter ihnen sind auch einige Vereine, die dieses Jahr zum allerersten Mal die Herausforderung annehmen, wie der Frankfurter Ruderverein von 1865, der Ruder-Verein Pädagogium Godesberg und der Münchner Ruder Club. Die teilnehmerstärksten Delegationen stellen der Tübinger Ruderverein „Fidelia“ (14 Aktive), der gastgebende Karlsruher Rheinklub Alemannia (13 Aktive), der MüWa Köln und der Mannheimer Ruderclub (jeweils 11 Aktive). Ein ganz besonderes Highlight im Starterfeld ist zudem die Teilnahme von Walter Gläßer, einem frischgebackenen Atlantik-Überquerer, der seine extreme Hochsee-Erfahrung nun auf den Rhein einbringt.
Auch die historische Städtepartnerschaft zwischen der Fächerstadt und Halle an der Saale wird lebendig auf dem Wasser gefeiert: Ein Boot geht mit einer zu 80 Prozent aus Halle besetzten Mannschaft an den Start und wird standesgemäß im vereinseigenen Boot namens „Halle“ die Kilometer bezwingen. Um die Partnerschaft aktiv zu beleben und im wahrsten Sinne des Wortes bekannter zu machen, bringen die Ruderfreunde aus Sachsen-Anhalt eine ganz besondere Ladung mit: Für jeden Teilnehmer gibt es als Stärkung die traditionellen, originalen Halloren Kugeln.
Team „All inclusive“: Blindes Vertrauen und eine außergewöhnliche sportliche Leistung
Ein historischer Meilenstein für die Regatta ist in diesem Jahr die Premiere einer ganz besonderen, inklusiven Mannschaft. Unter dem treffenden Teamnamen „All inclusive“ stellt sich eine fünfköpfige Crew der extremen Herausforderung. Mit an Bord ist die 28-jährige Lea Gierke, eine gesetzlich blinde Sportlerin des Karlsruher Rheinklubs Alemannia. Lea, die im Alltag einen Blindenlangstock nutzt und beim Rudern auf präzise Ansagen sowie das Anreichen der Skulls durch ihre Mannschaft angewiesen ist, rudert seit 2022 und hat bereits viel Erfahrung im regulären Training sowie auf Wanderfahrten gesammelt.
Bei AYCR stellt sie sich einer ganz außergewöhnlichen Belastung: Während die vier sehenden Teammitglieder (zwei Frauen und zwei Männer, allesamt erfahrene AYCR-Routiniers) sich unterwegs abwechseln und zeitweise auf dem Steuerplatz ausruhen können, wird Lea den gesamten, kräftezehrenden Tag auf der Rollbahn verbringen und komplett durchrudern.
Seit Sommer 2020 trainieren hochgradig sehbehinderte und blinde Menschen im regulären Ruderbetrieb des KRA, bei dem der Sport vor allem über das Erhören und Erspüren des Bootes gelebt wird. „Die Teilnahme von Lea und dem Team ‚All inclusive‘ zeigt einmal mehr, dass Inklusion bei uns im Rheinklub Alemannia kein theoretisches Konstrukt oder die Schaffung von parallel organisierten Sondergruppen bedeutet. Es bedeutet das selbstverständliche, gemeinsame Sporttreiben in einem Boot, bei dem jeder seine individuellen Stärken einbringt und alle Beteiligten intensiv voneinander lernen“.

Die 1.000-Kilometer-Marke im Visier: Ehrungen für herausragende Ausdauer
Ein fester Bestandteil von „All you can row“ ist die Würdigung der über Jahre hinweg erbrachten Ausdauerleistungen. In diesem Jahr werden vier verdiente Ruderinnen und Ruderer mit dem begehrten AYCR-Ehrenpreis ausgezeichnet, da sie in den vergangenen Jahren bereits die magische Grenze von 1.000 Gesamtkilometern bei der Tour erreicht haben: Jörn Michel, Svanja Berchtold, Christina Bröker und Philipp Wannow. Und die Geschichte geht weiter: Bei der diesjährigen Tour werden voraussichtlich fünf weitere Personen die 1.000-Kilometer-Marke knacken – und ein Teilnehmer steht sogar kurz davor, die unvorstellbare Marke von 2.000 Gesamtkilometern auf dem Rhein zu erreichen.
Logistische Meisterleistung: Ohne die Helfer geht nichts
Der Zeitplan der Extremtour orientiert sich traditionell strikt am Tageslicht. Der Startschuss im Karlsruher Rheinhafen fällt pünktlich zum Sonnenaufgang um 05:22 Uhr Sommerzeit. Gerudert wird flussabwärts, solange die Kräfte der Crews reichen – spätestens mit dem Sonnenuntergang um 21:34 Uhr muss die Regatta aus Sicherheitsgründen beendet sein. Dazwischen liegen für die Sportlerinnen und Sportler bis zu 16 Stunden härteste körperliche Arbeit.
Dass diese extreme Herausforderung überhaupt machbar ist, verdanken die Aktiven einem rund 50-köpfigen, unermüdlichen Helferteam an Land. Deren Einsatz beginnt bereits am Freitag: Sie sorgen für die Verpflegung der weit angereisten Gäste und stellen die Nachtquartiere in den Karlsruher Bootshäusern bereit. Für den kräftezehrenden Samstag auf dem Wasser wird eine umfassende Bordverpflegung organisiert. Am Samstagabend folgt der logistische Kraftakt: Die Helfer schwärmen aus und sammeln alle Mannschaften mitsamt ihren Booten entlang des Rheins wieder ein – völlig egal, wie weit es das jeweilige Team flussabwärts geschafft hat. Anschließend werden alle Teilnehmer sicher zur Übernachtung nach Mainz transportiert, wo die Mainzer Ruder-Gesellschaft als bewährter Partner und Zielhafen bereitsteht und die Sportler erneut verpflegt. Ein großer Dank gilt hierbei allen Partnern – dem Karlsruher Ruderverein Wiking, der Mainzer Ruder-Gesellschaft sowie dem Landesruderverband Baden-Württemberg.
Die gesamte Regatta wird per GPS getrackt und kann unter folgendem Link auf der Plattform Racemap aufgerufen werden: