Die Vorbereitung
Nachdem Lea in den letzten Jahren immer mehr Erfahrung im Langstrecken und Wanderrudern sammeln konnte, hatten wir uns bereits früh im Winter entschieden, dass wir den AYCR26 mit Lea im Boot bestreiten wollen. Die gesamte Mannschaft mit der ich den AYCR25 gefahren bin, hat sich ebenfalls dazu entschieden wieder mitzurudern. Es war also nur noch ein Platz frei. Jacqueline hatte sich dazu bereit erklärt diesen auszufüllen.
Somit stand die Mannschaft und wir konnten mit dem Training beginnen. Nils vom RCNO, der aus Berlin kommt, hat dort separat trainiert. Wir sind immer wieder längere Strecken im Hafen und auf dem Rhein gefahren, um unsere Körper langsam auf die Belastung des AYCR vorzubereiten. Schnell wurde auch klar, dass der Schellenbacher c4x+ gerne die ein oder andere Welle über den Bug gehen lässt, wenn man nicht sehr vorsichtig steuert. Daher hatten wir uns entschieden, einen zusätzlichen Wellenbrecher zu bauen, um diese Sorge los zu sein und die Sicherheit der Mannschaft zu erhöhen. Es wurden außerdem verschiedene maßangefertigte Seile für ein verbessertes Handsteuersystem bestellt und getestet. Um das System auch während der Fahrt zügig nachspannen zu können wurde ein Wantenspanner verbaut.
Ein Kernbestandteil der Vorbereitung für Lea und mich war eine Rhein Wanderfahrt im Frühling, siehe Bericht vom 13.5.26. Die erste Etappe dieser Wanderfahrt war mit ca. 80 km recht lang und damit ein guter Fitness Indikator.
Besonderer Dank geht an meine Mitruderer sowie WD (KRA), Henning (KRA) und Stefan B. (KST). Ohne deren Unterstützung wäre eine Teilnahme so nicht möglich gewesen! Alle Materialien wurden über Eigenmittel finanziert.

Der Tag aus Leas Perspektive:
Wegen des nächtlichen Gewitters mussten wir zuerst das Boot ausschöpfen, bevor wir aufs Wasser gehen konnten. Dort mussten wir noch einige Minuten auf den Sonnenaufgang und den damit einhergehenden Start warten. Dabei stieg meine Anspannung wegen der Ungewissheit, was der Tag noch bringen würde, merklich. Spätestens als wir die Rheinbrücke Maxau passierten, war diese Anspannung aber auch schon wieder vergessen. Noch erfreuten wir uns der angenehmen Temperaturen und bald stand schon der erste Wechsel an. Die gewählte Taktik, alle 30 Minuten die Steuerperson auszuwechseln, hatte gleich zwei Vorteile: Erstens unterteilte dies diesen zunächst unvorstellbar langen Tag in gut überschaubare Teile, was für das mentale Wohlbefinden sehr förderlich war. Zweitens hatte ich so alle 30 Minuten kurz Zeit, um etwas Trinken und essen zu können.
Die Stimmung im Boot war hervorragend und konnte auch nicht durch Nils Anmerkung um kurz nach 9 Uhr getrübt werden, als er uns darauf aufmerksam machte, dass es nun nur noch etwas mehr als 12 Stunden seien. In Speyer legten wir für einen kurzen Boxenstopp an und trugen erste Blessuren und Spuren von matschigen Ausrutschern mit auf die weitere Reise.
In Mannheim stand dann eine etwas längere Pause auf dem Plan, um sich ein wenig zu erholen und etwas üppiger zu speisen. War der Rhein bis dahin idyllisch und ruhig gewesen, nahm das Aufkommen von Sportbooten und der Berufsschifffahrt ab Mannheim erheblich zu. In Worms wurden wir mit den (nicht gerade motivierenden) Worten begrüßt: „Wie viele Boote kommen denn noch? Ihr seid das 14. Das hier vorbei kommt“.
Auch wenn der selbstgebaute Wellenbrecher effektiv verhinderte, dass Wasser über den Bug ins Boot kam, sammelten wir einmal dann eine kräftige Ladung durch eine besonders hohe Kreuzwelle unter einer Brücke über die Seite ein. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings eigentlich alle glücklich über diese Abkühlung und darüber hinaus verschaffte uns das die Möglichkeit, den durch die Stopps gesammelten Matsch und Sand etwas rauszuspülen. Die Lenzklappen wurden geöffnet und das Boot war innerhalb kürzester Zeit wieder trocken.
Etwa ab Kilometer 100 musste ich dann feststellen, dass es allmählich anstrengend wird und mein Kreislauf nicht der größte Fan der Hitze ist. Da uns allen die Hitze zu schaffen machte, traf Obmann Manuel die wichtige Entscheidung, fortan alle 15 Minuten eine kurze Trinkpause in den 30-minütigen Wechseltakt einzufügen. Nach ca. 120 km wurde aus dem Boot gemeldet, dass man gerne anlegen würde. Dies haben wir dann genutzt um uns in einer ruhigen Bucht im Schatten erneut etwas auszuruhen. Das hat mir auch geholfen, da ich einen kleinen Durchhänger hatte. Auch wenn es mir nach reichlich Veggi-Gummibärchen, Kartoffeln und aufbauenden Worten von Regina und der restlichen Mannschaft wieder deutlich besser ging, war ab da klar, dass ich es an diesem Tag nicht viel weiter als Mainz schaffen würde.
Wir fuhren noch wenige Kilometer weiter bis zum nächsten Steg und dort wurde mir der Vorschlag unterbreitet mich auf den Steuersitz zu setzten. Die Mannschaft wollte mir die Möglichkeit geben die Vorzüge dieses Platzes auf den letzten Kilometern zu erfahren. Ich wollte es mir aber nicht nehmen lassen noch ein paar mehr Kilometer auf dem Rollsitz zu verbringen. Erst in einem Mainzer Vorort wurde das Boot dann auf das Fußsteuer umgerüstet und ich bin auf den Steuerplatz. Ab da waren es nur noch wenige Kilometer entlang des Mainzer Ufers bis zum Ziel, der MRG. Auch wenn ich mich, als der Vorschlag unterbreitet wurde, dagegen gewehrt hatte, ging mir dann das Grinsen doch nicht mehr aus dem Gesicht. Ich hatte den Tag bis dato trotz meines Durchhängers sehr genossen und saß nun zum ersten Mal auf dem Steuerplatz, weil meine tolle Mannschaft das für mich machen wollte.
Fazit: Auch als blinde Ruderin kann AYCR Spaß machen – vorausgesetzt, man hat eine Mannschaft und ein Boot dem man vertrauen kann. Danke an Regina, Jacqueline, Nils und Manuel, dass ihr euch auf das Experiment eingelassen habt! Und noch ein spezieller Dank an Jacqueline dafür, dass du den „Lea-Dienst“ übernommen hast und den ganzen Tag ein besonderes Auge auf mich hattest!
Bericht+Fotos: Manuel Schorer + Lea Gierke