40. Elfstedenroeimarathon – Wir waren dabei


8. Juni 2026 / Daniel

Crew: Mixed Team bestehend aus 4 Frauen und 5 Männern. Die Aufgabe bestand darin, dass in dieser Kategorie immer eine Frau rudern muss. Ihr rechnet richtig: Die Frauen mussten etwas häufiger an die Skulls.
Aufgabe: 210 km durch 11 friesische Städte. Im Verlauf des Rennens wurde wegen Sturm auf die 188 km lange Sturmstrecke abgekürzt.
Kulisse: Regen, Starkregen, zwischendurch Nieselregen und kurzzeitig Sonne, Wind, Starkwind, vereinzelt nur leichte Böen und KALT. 9 Leute in einem von Feuchte beschlagenen Bus.

Was war wie immer?
Ankommen am Campingplatz mit Aufbau, Kochen, Boot zusammenbasteln und an die Vorgaben der Rennkommission (Beleuchtung, elektrische Pumpe, Fangleine) anpassen, wobei die Crew aus Andreas und Roland es diese Jahr geschafft haben, gleich denn Renn-TÜV auf dem Platz abzufangen und dadurch echt Zeit gespart wurde. Dennoch der Erfahrungswert: Irgendwie dauert alles immer etwas länger als man Zeit dafür eingeplant hat und die üblichen Basics wurden ja schon oft berichtet.

Was gab es sonst so?
Das Wetter war unser ärgster Gegner, es wechselte zwischen allen Bedingungen, die das Rudern eher unangenehm machen.
Erfreut stellte Silvia fest, dass die Knopfleiste unseres Küchenzelts wunderbar als Garderobe dient, um dort nasse Jacken zu trocknen. Die Mützen waren unverzichtbare Standartausstattung.
Lange wurde Thomas im Küchenzelt vermisst, unsere Spekulationen wurden später bestätigt: Er hockte einsam in seinem Zelt und hatte lange darauf gewartet, bei nachlassendem Regen den Weg von dort wieder ins Küchenzelt zu wagen. Der friesische Boden gab uns das Rätsel auf, dass er riesige Mengen an Regen aufnehmen kann, es aber keine Pfützen gab und dadurch auch keines der Zelte zu schwimmen begann.
Der Nachmittag vor dem Start ließ auf besseres Wetter hoffen, so dass trocken zum Start gerudert werden konnte. Zuverlässig setzte vor dem Start jedoch der Regen wieder ein, so dass die Startmannschaft leicht durchnässt die erste Etappe in Angriff nehmen konnte. Unterlegt wurde der Start durch die gute Stimmung verbreitende Blaskapelle mit dem Gefangenenchor von Verdi…

In der Nacht zeigte sich, dass Wechselstellen durch den immer wieder einsetzenden Regen deutlich glitschiger waren als erwartet und dass es doch immer wieder eine Überraschung ist, wenn eine vermeintlich leichte Nachtsteueretappe mit immer geradeaus und dann links im dunklen Schilf doch nicht so einfach zu durchfahren ist (und wo geht’s hier eigentlich links rein?).
Die Wechselstelle an der weltbekannten Tegeltjesbrug, die immer einen hervorragenden Steg HATTE, taugte leider nicht mehr als Wechselstelle, so dass die Landmannschaft schon so weit war, das Boot durchzuwinken, was dann eine Doppeletappe geworden wäre. Zum Glück wurde eine hilfsbereite Mannschaft aus Leverkusen angetroffen, die beim Aussteigen auf einen steilen Hang unterstütze. Nach kurzem Gepurzel war aber die Mannschaft trockenen Fußes ausgetauscht. Teamarbeit ist alles.
Im nächtlichen Tran oder Wahn hatte der gewissenhafte Bruno die gute Idee, auf dem Wechselplan die Etappen durchzustreichen, die bereits erledigt waren. Ob es Versehen oder Absicht war, dass der Plan innen an der Busscheibe klebte und von außen mit Edding 3000 durchgestrichen wurde, lässt sich im Nachgang nicht mehr klären. Kleiner Tipp am Rande: Mit Cola geht es nicht weg, mit Wunddesinfektionsmittel aber relativ gut.
Wie immer während Elfsteden, wird mit zunehmender Erschöpfung, Müdigkeit und Gruppenwahnsinn eben alles immer seltsamer. Unser Ernährungscoach Josh klärte darüber auf, dass es guten Zucker in Form von Nusschokolade, Bananen und Gummibärchen und schlechten in Form von Würfelzucker (oder so) gibt.
War die von Svanja gesichtete Sternschnuppe vielleicht doch nur der Zeltplatzwächter, der bei der Sicherung unserer Zelte abgehoben war? Standen die Zelte überhaupt noch?
In Woudsend erreichte uns dann die Info, dass aufgrund des starken Winds auf die Sturmroute gewechselt werden sollte. Nur gut, dass wir diese kein Stück vorbereitet hatten. Während die zum Steuern und Rudern eingetragenen Leute ins Boote stiegen, überlegte sich die die Landmannschaft eine Lösung für das Problem (und wo waren überhaupt die Karten für diese Strecke?).
Zum Glück fand sich das alles ein und wir bewältigten die neue Aufgabe bei weiter anhaltendem Regen und Windböen.

Besonders gefiel auch die hochmotivierte Mannschaft aus Janna und Bruno, die anmerkte, dass so ein leichter Nieselregen beim Rudern ja auch angenehm erfrischend sei, während ich auf dem Steuerplatz allmählich einfror.
Irgendwann wurde unterwegs bei einer nicht geplanten Zirkusnummer eine der Wechseldecken gebadet, aber erstaunlicherweise trat, fiel und schwamm dieses Jahr niemand in eine der Grachten. Es ging die Theorie, dass die Gesamtnässe im System durch den Regen erreicht worden war und weitere Wasserzufuhr daher nicht nötig war.
Wir gelangten also souverän ins Ziel, wo es wie immer die „tolle Torte“ und wieder die gut gelaunte Live-Blasmusik vom Start gab. Ein absolut großartiges und sehr schönes Novum, das aber irgendwie das unterwegs verloren gegangene Zeitgefühl weiter verstärkte.
Und was wäre Elfsteden ohne das anschließende Müdigkeitsdelirium? Hattet ihr schon mal einen Bratnotstand? Wusstet ihr, dass da ein Universaldeckel hilft? Tja, wärt ihr halt mal mitgefahren.
Außerdem gab es kreative und leckere Ideen, welk gewordene Rohkost zu verfüttern und am nächsten Morgen wurden die übrigen hartgekochten Eier gefrühstückt. Dank einer kurzzeitigen Singularität (oder war es der unwahrscheinliche Unwahrscheinlichkeitsdrive?) landete das Ei, das von Alex zu Josh geworfen werden sollte in Kombination mit dem Anreichen der Butter von Svanja zu Silvia durch eine Änderung der Wurfparabel in der Tasse von Roland. Merke: Ei mit einem Hauch von Kaffee „schmeckt ganz OK“, Kaffee mit Schale eher schlecht.
Abschließend gelang es dem versierten Technikteam aus Andreas und Roland übrigens noch, einen platten Reifen unter Zuhilfenahme einer Bordsteinkante zu wechseln. Wagenheber werden also überbewertet und die Abreise konnte so auch noch erfolgen.

Wir kommen auf jeden Fall wieder und würden uns sogar darüber freuen, dann auch mal ein paar Zentimeter Sonnencreme benutzen zu müssen.

Bericht: Alexandra Baltes
Fotos: diverse Teilnehmer