Der Sehstern Oder Hin und Zurück


13. Oktober 2026 / Daniel

Wanderfahrten sind schön. Mehrtägige Wanderfahrten noch deutlich schöner. Der nervige Teil ist der Bootstransport hin und zurück zum Bootshaus. Eine mehrtägige Wanderfahrt ohne Bootstranpsort…? Unschlagbar!

Während Karlsruhe sich für sonntags an Land auf den Baden-Marathon und dessen Abstufungen vorbereitet, ging es für vier tapfere Seelen (Johannes, Svanja, Frederic, Joshua mit Sehstern) bereits donnerstags vom heimischen Steg aus in die weite Welt hinaus… oder vielmehr hinauf.

Zielsetzung war rheinaufwärts, sandbachaufwärts, wieder rheinaufwärts und schlussendlich illaufwärts bis Straßburg und alles wieder abwärts heim zum KRA.

Als Resultat gab es am Donnerstag eine Buhnenlehrstunde mühselig gegen die Niedrigwasserströmung des Rheins. Die Mittagspause fand am Sandstrand der Murgmündung statt. Hier gab es sehr wenig Wasser, so wenig, dass ein Hineinfahren für ein elegantes Anlanden nicht umsetzbar war. Das Manöver war daher zwar nicht schön, aber zumindest zweckdienlich. Zudem gab es erste dunkle Vorahnungen, was das niedrige Wasser für die Fahrt auf dem Sandbach bedeuten könnte.

Ganz so schlimm wie die Murg war es dann jedoch nicht. Es gab ein paar Untiefen und ein paar Kontakte mit dem seichten Boden, die starke Strömung des Sandbachs hatte jedoch auch recht zuverlässig eine passierbare Fahrrinne gegraben. Und so blieb eine abenteuerliche und gemächliche Fahrt durch Sandbänke, das mal schmale Flussbett und viele zu belästigende Schwäne.

Recht früh erfolgte dann die Ankunft beim Bootshaus der Kanuabteilung des Skiclubs Baden-Baden. Dort wurden die Zelte aufgeschlagen und die Abendsonne reichte für ein Bad im Sandbach mit anschließendem Abendessen.

Diskussionsbedarf gab es währenddessen durch die Sorgen über den nächsten Tag und den zu bewältigenden Umfang sowie die Pläne für den „freien“ Samstag in Straßburg. Ergebnis war Aufstehen um 5 Uhr und eine spontane Anmeldung für das Naut’ill Fest am Samstag über den kurzen Kommunikationsweg, da Johannes dort ohnehin zu einer Bootsbetreuung der LRVBW Boote verpflichtet worden war.

Und so ging es freitags früh los, zunächst mit einem Treibenlassen auf dem Sandbach, um an einer Treppe das Boot anlanden, ausheben und über den Deich jenseits der Rheinschleuse Iffezheim wieder in den dort aufgestauten Rhein einsetzen zu können. Das Anlegemanöver war… schwierig… nicht schön… mit Mühe zweckmäßig.

Merke: Halte ein Boot möglichst an Bug oder Heck und zwar an dem Teil, welcher der Strömung zugewandt ist.

Das Einsetzen war gut, bis auf die Leistung eines gewissen einzelnen Herrn, die war eher… schwierig… nicht schön… und nicht zweckmäßig.

Merke: Überspülte Stufen sind glatt… rutschig… und noch glitschiger. Merke zudem: Vaseline eignet sich zum Stoppen mäßiger Blutungen.

Nichtsdestotrotz mit kurzer Verzögerung ging es dann 20 km auf stehendem Wasser über den aufgestauten Rhein. An der Mündung der Ill wurde an einem Kiesstrand die Mittagspause abgehalten, nachdem ein kurzer Vorausblick die Sorgen der drei erfahrenen Mannschaftsmitglieder bezüglich heftiger Strömung am verengten Einlass auf den Rhein zunächst etwas beruhigte.

Und so ging es dann los, Frederic auf Schlag, Svanja im Maschinenraum, Johannes im Bug und ein unbedarfter Joshua auf dem Steuerplatz, frei weg zur Ill.

Die nächsten paar Minuten hat jeder gelitten. In Stichpunkten: Schlangenlinien fahren, starke Strömung, keinen Millimeter vom Fleck kommen trotz Schub, angespannter Steuermann, beängstigend schnell nahende Wände, Steuerbord über, Backbord über, schweben, erster Anlauf gescheitert, treiben lassen, Kräfte sammeln, Taktik besprechen, runterzählen, dreißig Dicke, gegenseitiges Anbrüllen, noch mehr Schlangenlinien und der Sehstern war auf der Ill… im zweiten Anlauf.

Ab da hieß es mit weiteren Steuermenschwechseln, einer Pause in La Watzenau, sehr vielen Schwänen, weiterhin kräftiger Strömung relativ entspannte 24 km bis zum Kanuclub Strasbourg Eaux-Vives in Straßburg. Dort ging es wie geplant für Svanja an Land gen Heimat. Die drei Herren schlugen erneut die Zelte auf.

Die Planung für Samstag ergab wieder einmal 5 Uhr aufstehen, um im Dunklen aufs Wasser zu gehen, um rechtzeitig beim Naut’ill Fest anwesend sein zu können und um dort auf Lücke fahrend teilnehmen zu können. Unter anderem über den LRVBW wollten zudem Ruderer verschiedener Vereine am Naut’ill Fest teilnehmen. Zu diesem Zweck standen bereits mehrere LRVBW-Boote auf dem Anhänger beim Rowing Club Straßburg bereit.

Es folgte eine sehr gemächliche Fahrt durch Straßburg in einer Flotte von Ruderbooten. Man könnte es auch „treiben lassen“ nennen. Außerhalb der engen Kernstadt im Hafengebiet konnte wieder mit etwas Druck gefahren werden. Mit allerlei Übungen wurde die Fahrt im Sehstern etwas versüßt.

Nach einem Mittagessen mit den ganzen Teilnehmern des Fests, wurde sich frühzeitig abgeseilt, das Boot über eine Abkürzung zum Rowing Club gerudert, dort vertäut und sich auf die Suche nach Kaffee und Kuchen begeben.

Bei den drei Herren hatte sich mittlerweile eine gewissen Müdigkeit eingestellt und so kam die Pause recht. Zudem hieß es auch warten auf sechs weitere Ruderer und Ruderinnen, die mit der LRVBW-Judith und die Lücke im Sehstern füllend mit hinab gen Karlsruhe rudern wollten und mit dem Zug nach Straßburg kamen.

Mit dem Eintreffen der Nachzügler und dem Ende des Naut’ill-Fest ging es zum Abriggern der LRVBW-Boote und zu der Rücküberführung von Judith und Sehstern zum Nachtlager beim Kanuverein. Freilich nur das Anlegemanöver auf kleinem Raum bei einer dazwischenliegenden kurzen Bootsrutsche wurde von beiden Booten nicht allzu schön, aber immerhin zweckdienlich und sicher bewältigt. Ein kurzes Aussteigen, Umtragen, Boot-Gassi-Führen und wieder Einsteigen später war auch die Rutsche problemlos überwunden. Nach einem Restaurantbesuch war dann auch der Samstag geschafft.

Am Sonntag ging es gemütlicher als die Tage zuvor los. Die Talfahrt auf der Ill war überwiegend unspektakulär, jedoch recht flott. Verwöhnt von der Strömung waren im Anschluss der stehende Rhein oberhalb von Iffezheim sehr zäh. Beim Umtragen am Deich wieder zurück in den Sandbach fand auch die Mittagspause statt.

 

Das dortige Einsetzen direkt an einer Kurve vor einer niedrigen Brücke wurde von beiden Booten wieder einmal weder schön noch zweckdienlich durchgeführt… aber zumindest ging die Reise weiter. Mit einem Wimpernschlag war der Sandbach bewältigt und somit die Schleuse umfahren. Dank gestiegenem Wasserstand waren die Untiefen diesmal weniger ein Problem. Der letzte Abschnitt auf dem Rhein erfolgte mit einem letzten Steuermenschwechsel reibungslos.

Ein geschwindes Ausheben und Verstauen der Boote im Bootshaus mit anschließender Versteigerung der übrigen Nahrungsmittel beendete ein sehr schönes, abwechslungsreiches, abenteuerliches, anstrengendes und intensives Wochenende.

Vielen Dank an Johannes für die Organisation der sehr schönen Wanderfahrt!

Bericht: Joshua Klein
Fotos: Jenny, Johannes, Joshua, Svanja