Lange ist es her und doch weiß jeder noch ganz genau, wie es geht


29. September 2026 / Daniel

Am 21. August machten sich acht Ruderfreund*innen auf den Weg zum Bodensee, um seit Langem mal wieder eine Wanderfahrt zu machen. Zusammengeschweißt durch Jahre des Jugendsports war es eine sehr schöne Gelegenheit, alle mal wieder länger zu sehen. Nach der Schule hatten sich die Wege getrennt und bis auf wenige Ausnahmen konnten die meisten nicht mehr regelmäßig rudern. Der hauptsächliche Planer der Strecke, Colin Rieger, ist einer der besagten regelmäßigen Ruderer. Dementsprechend war die Wanderfahrt für die meisten ziemlich ambitioniert geplant.

Mit viel Elan und genauso viel Respekt vor möglichen Hand-, Rücken- oder Knieproblemen machten wir uns am 22. August auf die erste Etappe von Kreuzlingen nach Arbon. Durch technische Unklarheiten am Auto sah sich Starsportler Patrick gezwungen, die erste Etappe auszusetzen, um mit Stadtmobil das weitere Vorgehen zu klären. Die Bootseinteilung unserer acht Studierenden ergab daher einen gesteuerten Vierer und einen fußgesteuerten Dreier. Das Wetter am Bodensee ist – wie jeder weiß, der schon eine Wanderfahrt auf ihm gemacht hat – sehr wechselhaft und das Wasser ziemlich wellig. Durch die vielen Wellen und den teils sehr starken Wind war es extrem schwierig, mit dem Fußsteuer einen geraden Kurs zu halten. Der Dreier ist sicherlich 3 km mehr gefahren als der Vierer, was uns im Nachhinein leider niemand zugestehen wollte. Deswegen sei es hier nochmal gesagt: Klasse Leistung auf Etappe eins, Vincent Schmidt, Charlotte Roth und Noah Tschach!

Arbon selbst hat uns sehr gut gefallen. Dort hat uns die netteste Person überhaupt empfangen und sich um uns gekümmert. Eine große Empfehlung an alle, die planen, an den Bodensee zu gehen: Der Seeclub Arbon in der Schweiz ist auf jeden Fall einen Ausflug wert.

Übernachtet haben wir teilweise in den Rudervereinen, teilweise – wegen Feiern in den Vereinen – auf Campingplätzen. Es muss gesagt werden, dass die kulinarische Leistung im Vergleich zu früheren Wanderfahrten doch zugenommen hat. Niemand erlag einer Lebensmittelvergiftung und trotz wahrgenommener Knappheit und aufkommendem Futterneid wurden immer alle satt, super! :)) Die nächste Etappe brachte uns von Arbon nach Bregenz. Gut gesättigt durch die liebevolle Verpflegung durch den Seeclub Arbon machten wir uns mit ein wenig Wehmut, das nette Arbon zu verlassen, auf den Weg ins Unbekannte. Mit dem Motto „Gut Ding will Weile haben“ und ungetrübt guter Stimmung tuckerten wir – diesmal wieder zu acht, da das Auto glücklicherweise keine ernsthaften Probleme machte – gemütlich nach Bregenz. An diesem Tag führte uns die Strecke an der Rheinmündung vorbei. Dort war es besonders wellig und teilweise fühlte sich das Boot eher wie ein Wagen einer Achterbahn als ein stabiles Boot an. Als ich die fehlende Stabilität akzeptierte, machten mir die Wellen aber richtig Spaß; solche Wellen hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Diese Strecke von Arbon nach Bregenz war ein wenig länger als die Strecke am Vortag und, schon belastet durch die erste Etappe, waren die letzten Kilometer ein kleiner Kampf. Umso schöner war der unverhofft früh auftauchende Hafen.

In Bregenz angekommen, bestaunten wir die schöne Stadt, das große kulturelle Angebot in Form der Seefestspiele, die vielen Touristen und insbesondere das Fehlen von kostenlosen Parkplätzen für unser Auto, das jeden Tag unser Gepäck von einem Ort zum nächsten fuhr. Dafür nahmen immer ein bis zwei Personen den Zug zum Ort der letzten Nächtigung und fuhren mit dem Auto nach.

Nach Bregenz fuhren wir weiter nach Friedrichshafen. Wieder standen wir für unsere Verhältnisse sehr früh auf, um das gute Wetter und insbesondere den geringen Wind ausnutzen zu können. Ab diesem Tag würden wir Gegenwind haben, war die Schreckensbotschaft. Allerdings konnten wir viele Kilometer abkürzen, da wir nicht direkt an der Küste entlanggerudert sind. Zusammen mit den stark ziehenden Peter und Colin im Bug verging diese Etappe für mich wie im Flug und war eine der entspanntesten. Generell muss ich sagen: Meine Highlights der Wanderfahrt waren zum einen die Pausen, in denen wir wie früher einfach badeten und uns im hüfthohen Wasser gegenseitig umschmissen, zum anderen auch das Gefühl des Setzens der Ruderblätter ins Wasser und die Kraft, sie so stark wie möglich durchzuziehen – vor allem aber das Gefühl der Gemeinschaft, an dem sich für mich über die Jahre wenig verändert hat. Ich bin der Alemannia sehr dankbar, eine Basis für die Entwicklung dieser Freundesgruppe und ein Fundament für gemeinsame Erlebnisse gebildet zu haben.

Von Friedrichshafen ging es am nächsten Tag weiter nach Überlingen. An diesem Tag war die Moral minimal ausgeprägt. Es regnete und eigentlich waren alle außer Colin mental schon dabei, den Hänger zu holen und die Etappe zu überspringen. Irgendwie machten wir uns dann zwar erst spät, um 12 Uhr, aber immerhin auf den Weg. Ich war sehr verdutzt, dass wir die Etappe nur etwa eine Stunde später als die vorherigen beendeten, obwohl wir erst so spät losgerudert waren. Überlingen hat mir dann wieder sehr gut gefallen. Wir übernachteten im Ruderverein und ich muss sagen, dieser Verein hat – genau wie die Vereine in den anderen Städten – eine wunderschöne Lage. Direkt am See schaut man beim Aufwachen direkt auf das weite Blau und wir frühstückten unter Bäumen mit demselben wunderschönen Blick. Vom Ruderclub in Friedrichshafen hat man unserer Meinung nach jedoch den besten Ausblick: Man sieht hinter dem See die Umrisse der Alpen, das macht echt Eindruck.

Die letzte Etappe mussten wir kürzen. Ursprünglich war geplant, von Überlingen nach Radolfzell zu rudern. Jedoch wurde uns vom Anlegen dort wegen des tiefen Wasserstands eindringlich abgeraten. Beschwert hat sich über die Kürzung eigentlich nur Colin, alle anderen waren erleichtert, eine schön entspannte, kurze Etappe nach Kreuzlingen zu machen. Dementsprechend gemütlich waren wir am Morgen unterwegs und spielten wieder bis etwa 12 Uhr Doppelkopf. Gut gelaunt ging es dann über den Teufelstisch, den man durch das Niedrigwasser begehen konnte, an der Insel Mainau vorbei nach Kreuzlingen. Auf dem Weg sahen wir auch Konstanz vom Wasser aus – dieser Blick hat mir sehr gut gefallen.

In Kreuzlingen angekommen, machten wir uns noch am selben Tag abfahrbereit, um am nächsten Tag ohne großen Aufwand zurückfahren zu können.

Auf der Rückfahrt und in Karlsruhe angekommen, spielten wir bis abends noch Doppelkopf und auch am folgenden Tag gingen wir nochmal in den Kraftraum. Ich war erstaunt zu sehen, wie schnell sich mein Körper wieder an die Belastung gewöhnt hatte und wie viel Kraft ich trotz der vielen Tage des Ruderns hatte.

Damit ist mein kleiner Bericht unserer Wanderfahrt zu Ende. Ich möchte mich aber noch im Namen aller von Herzen bei Colin und Patrick bedanken. Sie haben die Wanderfahrt hauptsächlich organisiert und ins Leben gerufen. Vielen lieben Dank für euren Aufwand!

Bericht: Noah Tschach
Fotos: Teilnehmer