Strasbourgwanderfahrt


26. April 2014 / Josef Gravenhorst

Vor etwa 60 Jahren hat der KRA es schon einmal getan: den Rhein hinauf nach Strasbourg rudern. Damals noch ohne Staustufen und immer am deutschen Ufer entlang, da sonst die Grenzpolizei kommt.

Eine Generation später sieht das alles schon etwas entspannter aus. Nach dem erfolgreichen Versuch 2011, die Tour mit einem Boot zu wiederholen, war diesmal eine ordentliche Wanderfahrt dran.

Und so versammelten sich die 8 Teilnehmer am Karfreitag und setzten die Boote ins Wasser. Nach den ersten drei Kilometern wurde es ernst: gegen den Strom. Die Hausstrecke hinauf, weiter zum Goldkanal. Dort zeigte sich die Sonne, und nach der Mittagspause auf einer Sandbank ging es weiter hinauf in Richtung Alpen. Mit der Sonne kam auch die Thermik, und so wechselten sich bald intensive Graupelschauer und Sonne immer wieder ab.

Nach 28km gegen den Rhein (für den Dreier, der Vierer hatte noch ein paar Extrakilometer in der Fahrrinne hinter sich) waren wir an der Staustufe angekommen, und begaben uns in den Sandbach. Den muss keiner kennen. Dieser führt jedoch zum Rheinseitenkanal, um die Staustufe herum und – ganz wichtig für uns – zum Bootshaus des Baden-Badener Kanuvereins.

Trotz zahlreicher niedrigwasserbedingter Untiefen gelangten wir bis zum Abzweig des Rheins, und zu “der” Stromschnelle, welche wir vor 3 Jahren problemlos meistern konnten. Nicht so dies Jahr: Das erste Boot ging nach dem zweiten Versuch zum Treideln über. Der Vierer versuchte es dennoch und wir sollten die kommenden Tage mehrfach zu hören bekommen, dass der Bugmann es schon über die Stromschnelle hinweg geschafft hatte, aber der Rest ja dann aufgehört hätte zu rudern (wo kein Wasser unter dem Blatt, da kein Rudern…). Also zogen sie ihre tapfere Steuerfrau mutterseelenalleine am Seil hinauf. Wenn das nicht gehalten hätte…

Am Kanuverein gab es keinen Strom und kein fliessend Wasser, aber einen wärmenden Kanonenofen, einen Gasgrill vom Gepäckkurier (Danke noch mal für den Service) und einen tollen Platz für das Lagerfeuer. Begleitet vom Zischen der einzigen Gaslaterne im Flur, begaben wir uns zur Ruhe.

Der Samstagmorgen begann … schläfrig. Als um 9 endlich alle wach waren, gab es ein friedliches Frühstück mit Lästerrunde über die Anwesenden (was die kommenden Tage zur Gewohnheit werden sollte), bis endlich beschlossen wurde, dass wir um 10 mal anfangen sollten…. also aufräumen, Boote ins Wasser, 300m rudern … Umtragen – die erste! Den Rheindeich hoch, und dann alles Gepäck ins Boot. Die Herren brauchten etwas länger, um zu diskutieren, was wo hin kommt, und so war es 12 Uhr, bis wir schließlich weiterrudern konnten.

Und nun steckten wir erstmal im Stau. Vollstau. Der Rhein breit und ohne Strömung. So ging es die sehr spannende (*hust*) Strecke von Iffezheim nach Gambsheim hinauf, nur abgelenkt von verschiedenen Grüntönen (ich sehe was was du nicht siehst, und das ist grün -> alles) der Ufervegetation und einer Fähre als willkommene Ablenkung. Nicht zu vergessen die Pömpel, welche dort im Wasser stehen und sich heimtückisch aus dem Hinterhalt vor den Bug werfen – aber die Beinahekollisionsübung haben wir ja schon vor 3 Jahren gemacht gehabt. Also sparten wir uns das dies Jahr.

Vor der Illmündung machten wir eine erholsame Pause, noch voll wagemutig und die kommende Anforderung – nach dem einfachen Vortag – ignorierend, und brachen irgendwann zu den letzten 24 Kilometern die Ill hinauf auf.

Der Einstieg ist das ehemalige Wehr an der Mündung, bei welchem der Dreier erst im zweiten Anlauf den Weg durch die Strudel zum Ziel fand und sich die Stufe hinauf wuppen konnte. Der Vierer schaffte es mit der Steuernovizin sofort. Was uns potentiell viel über die Qualitäten der Routiniers sagen könnte… was auch immer.

Anschließend geht es gegen die konstante Strömung erst die Illüberleitung hinauf, dann die eigentliche Ill zum kleinen Paradies, und weiter die Ill nach Watzennau und weiter die Ill zu einem Baum mit Gebüsch am Ufer und weiter zu einem Baum im Wasser an dem man sich festbinden und Pause machen kann, und weiter die Ill hinauf… es zog sich, die Mannen wurden müder, und immer noch kein Ziel in Sicht.

Keine 300m vor der finalen Umtrage machte der Vierer noch Pipipause, um dann den netten, wartenden Strasbourger Trainer zu alarmieren, dass wir doch noch kommen würden. Vorher mussten wir die  Boote in den Rhein-Marne-Kanal diskutieren – äh – umzusetzen. Bei (naja, zumindest beim ersten Boot noch) einbrechender Dunkelheit waren wir am endlich Ziel.

Es gab noch eine Runde Nudeln und vorher eine Runde Einführung in die Technik von französischen Sicherungen – auch unsere extra für solche Fälle mitgeführte EnBW-MItarbeiterin hatte bei der fachgerechten Einschaltung der EdF-Sicherungen ihre Probleme, und fast hätten wir eine weitere Nacht ohne Strom verbringen müssen. Und auch ohne Gaslaternen. Als der Strom dann wieder lief, fiel direkt in der Umkleide die Lampe von der Decke. Photonen sind eben schwer.

Es folgte ein Tag Touridasein. Eine Stunde früher als am Vortag (!!!) zog die Truppe in die Stadt, um sich alles anzusehen, was die Massen an Touristen sich eben so ansehen. Ruderisch uninteressant. Immerhin wissen wir jetzt, dass die Drehbrücke geöffnet werden muss, um die Touritransportboote durch zu lassen.

Da der Supermarkt dann doch schon zu hatte, als wir einkaufen wollten, mussten wir die Tankstelle überfallen. Bei den aktuellen Preisen entschieden wir uns für selbstgemachte Spätzle, welche mit Hilfe von Brotkörben als Siebersatz aus dem Topf gefischt wurden.

Vorher gab es aber noch einen Spaziergang zu den Storch-Kolonien, wo wir auch die neue Ruderordnung für 2015 finden konnten, die garantiert auf eine Seite passt. Hungrig ging es ans Abendessenbereiten, begleitet von lustigen Diskussionen über die Wirkung von Stützstrümpfen auf die Blutmenge im Kopf. Da war es gut, dass es noch eine Mitternachtstischkickerrunde gab.

Am letzten Tag führte uns der Weg das Ganze wieder rückwärts. Erst mussten die Boote wieder vom Kanal in die Ill umdiskutiert werden (nachweislich dauert alleine das ins-Wasser-diskutieren länger als ein komplettes Umtragen). Die Ill hinab, welche mit der Strömung deutlich kürzer scheint als gegen diese. Man hätte bei dem guten Wetter auf der Ill treibend Pause machen können und ohne Arbeit heimwärts gelangen – aber so musste nach durchruderter lll wieder eine Sandbank für eine Pause herhalten. Anschließend folgte der vollgestaute Rhein, der eindeutig nicht kürzer ist als andersherum, und vor allem nicht abwechslungsreicher. Doch, es war ein Tandem auf dem Uferdeich unterwegs. Spannung!

Als Abenteuer des Tages war der Versuch angesetzt, in die Moder um zu tragen. Vollpleite, keine gute Aushebestelle und dahinter auch nichts, was man annähernd zum Einsetzen nutzen könnte – weder oberhalb noch unterhalb der attraktiven Steine im Bach. Also wieder zurück auf die deutsche Seite, wieder über den Deich, hinab in den Sandbach, die mörderische 90°-Kurve herum, die Stromschnelle hinab, über die Sandbank (der Sandbach heisst nicht umsonst Sandbach…) rüber und dann wieder auf den Rhein.

Mit der Strömung und Schieberegen ging es nach Karlsruhe zurück, noch den wohlbekannten Hafen entlang und schließlich nach Hause. Immerhin hatte es beim Boote putzen aufgehört zu regnen…

So schön die Tour auch war, sie wird sicher Folgen haben: Spätestens Ostern 2015 werden wir uns sicher wieder auf eine vergleichbare Route begeben. Wir freuen uns darauf!

Wer sich den Rückweg ansehen will: http://www.movescount.com/moves/move30041604 ist dein Freund!