16 Stunden rheinabwärts mit All You Can Row 2018


5. Juli 2018 / Dietmar Kup

Bei Sonnenaufgang auf den Rhein hinausrudern und sich den lieben, langen Tag treiben lassen – das ist nicht All You Can Row. All You Can Row (AYCR) ist eine der größten Breitensport-Regatten in Süddeutschland, mit dem Ziel, am 23. Juni 2018, dem längsten Samstag des Jahres möglichst weit zu rudern.

Aus ganz Deutschland reisten zahlreiche Teilnehmer*innen zur Einstimmung auf AYCR 2018 bereits am Tag vor der großen Rheintour an. Die Ruderfreunde des Karlsruher Rheinklubs empfingen sie mit einem reichhaltigen Kennenlern-Grillfest. Auch mussten die C-Gigboote noch rheintauglich aufgeriggert werden, damit sie pünktlich bei Sonnenaufgang um 5:20 h gewassert werden konnten.

Die Nacht war kurz – 3:45 h wecken. Einige Rudererfreunde*innen hatten eine Unterkunft am Hafenbecken IV bei den Karlsruher Rheinbrüdern und dem Karlsruher Ruder-Verein Wiking gefunden. Nach dem frühmorgendlichen, ausgiebigen Frühstück waren die 118 Teilnehmer*innen nicht mehr zu halten. Zügig legten 27 Teams mit ihren Booten von den Stegen ab. Die Morgendämmerung hatte sich bereits gelichtet und leichter, nebliger Dunst lag noch auf dem ruhigen Wasser als die Boote sich im Hafenmittelbecken trafen und gemeinsam auf den Rhein hinausruderten.

Der Pegel Maxau zeigte mit 4,89 m keinen unterstützenden Wasserstand für weite Ziele. Dennoch waren die Ruderbedingungen hervorragend am Oberrhein. Langsam zeigte sich die wärmende Sonne hinter den Auenwäldern bei Leopoldshafen. Bei mäßigem Frachtschiffsverkehr blieben viele Boote noch lange auf Sichtweite beieinander. Soweit es möglich war, wollten die Fernruderer ohne lange anzulegen auf dem Strom bleiben. Wolfdietrich Jacobs hatte jedoch vorsorglich mehrere „All You Can Help“ Anlegestellen organisiert – eine treffende Wortschöpfung des Mannheimer Ruder-Clubs – zwischen Karlsruhe und der Mainzer RG, dem AYCR Treff- und Sammelpunkt. Außer der Rudergesellschaft Speyer boten zahlreiche Kiesbänke und naturnahe Rheinstrände praktikable Anlegemöglichkeiten.

Das tapfere Alemannia-Küchenteam hatte seine „Schicht“ im KRA-Vereinshaus um 8 h beendet. Von der typischen AYCR-Stimmung angesteckt ruderten auch sie rheinabwärts. Nach einer Pause in Germersheim und gemütlicher Rast mit Kaffee und leckerem Kuchen beim Mannheimer RC erreichten sie mit ihrem Boot „Hüblein“ nach 88 km das Ziel Worms. Auch das Boot des LRVBW, „Jens Kolberg“ wurde in Worms abgeriggert. Der Mannheimer „Mittsommertagstraum“ der „Rheinperle“ wurde schon mit 67 km beim MRC beendet. Überhaupt – der Mannheimer RC war eine willkommene Haltestelle. Hier wirkte wohl ein gewisser Magnetismus. Ein pausierendes Team soll seinen, am MRC-Bootssteg wartenden Obmann vergessen haben, während die Mannschaft (“wir gehen schnell aufs Klo”) sich mit Kaffee und Kuchen vergnügte. Die Weiterfahrt soll sich über alle Maßen hinausgezögert haben.

Mehr als die Hälfte der AYCR-Teams erreichten ihr Ziel mit ca. 157 Rheinkilometern bei der Mainzer RG. Kräftezehrende Ruderbedingungen, kalter Wind – glücklich, wer für die Steuerleute eine wärmende Decke an Bord hatte – und hohe Kreuzwellen bewog so manches Team seine Tour in Mainz zu beenden. So auch das Team im Boot RC Aschaffenburg „Cron“ mit Matthias Luber und seiner Mannschaft: „Schon in Mannheim entlang der gefürchteten Spundwände erwischte uns eine meterhohe Kreuzwelle… nass bis auf die Haare, einzig sie blieben verschont…den Rest der Strecke verbrachte ich mit Wasserschöpfen und Steuern.“

Eine besondere, sportliche Ruderleistung im Skiff schafften Andreas Richter und Christoph Stephan. Auch sie ruderten jeweils unglaubliche 146 km bis zum Steg der Mainzer RG!!

Rita Wittelsberger, Volker Schulz und Uwe Baumfalk legten mit dem gesteuerten Doppelzweier „Karli“ nach 163 Rheinkilometern in Ingelheim an. Dabei war die sonst so gefürchtete, kilometerbreite Rheinstrecke bei Östrich-Winkel in diesem AYCR-Jahr problemlos zu befahren.

Die Boote des KRV „Rhein“ und LRVBW „Odysseus“ beendeten AYCR mit 172 km beim Anblick des Binger Mäuseturms. Ein gesteuerter Gigdreier, die „1901“, rauschte mit der hier sehr starken Strömung durchs Binger Loch und legte nach 186 km in Bacherach an.

General Blücher, auf dem Denkmal in Kaub, zeigt vorwärts, und als folgten die vier verbleibenden AYCR-Teams diesem Hinweis, ruderten sie tapfer weiter. Vorbei an Deutschlands berühmtestem Felsen, der sagenumwobenen Loreley. Für die Steuerleute war im romantischen Mittelrheintal höchste Vorsicht vor Buhnen und verborgenen Schieferfelsen im Strom geboten. Bei St. Goar legte die „KRAke“ mit dem Team „Nordisch by Nature“ einige Minuten vor Sonnenuntergang an. Das Team ruderte noch eine Ehrenrunde im Loreley-Schutzhafen und war mit 200 km das zweitweiteste Boot.

„BIS EINER WEINT“, das Team des Bootes der RTG Wesel-Niederrhein ruderte mit 199 km am drittweitesten. Wie schon im Vorjahr, engagierte sich das Team wieder an der Spendenaktion “Rudern für Benin” für pro Humanität (APH). Dabei wurde jeder geruderte Kilometer von Sponsoren für ein Kinderheim in Benin unterstützt (rudernfuerbenin@web.de)!

Auch „Goldgrund“ hatte AYCR pünktlich nach 16 Stunden auf dem Rollsitz, bei Sonnenuntergang um 21:42 h mit 199 km, ohne dass einer weinte bei bester Stimmung beendet (wäre da nicht die lange Wartezeit am Zielort, trotz GPS-Tracking und ‚racemap‘, bis zur Abholung bei empfindlicher Nachtkühle gewesen).

Das Boot „Flying Dutchman“ mit der Mannschaft „Rheinerprobt“ ruderte am weitesten, bis nach Neuwied an den Rand des Westerwaldes, 251 km. Im Boot saß fast das gleiche Siegerteam von AYCR 2017.

2018 ruderten und steuerten die Teams eine Rekordweite von insgesamt 17.920 Rheinkilometer.

Den AYCR 1000 km-Kristall erruderten sich Rita Wittelsberger und Dietmar Kup mit ihren bisherigen AYCR Teilnahmen. Organisator Wolfdietrich Jacobs verteilte wieder die runden, blauen AYCR-Erinnerungsschmuckstücke an alle Ruderer*innen und Helfer*innen. Wir freuen uns schon auf den nächsten längsten Tag und auf AYCR 2019 – und Obleute aufgepasst: beim Mannheimer RC wird es vielleicht wieder warmer Kaffee und verlockende Kuchen geben!

Die Ergebnisliste von AYCR 2018

Fotos: Antje Brückner

Fotos: Dietmar Kup

Fotos; Steffen Voigt