Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf dem Rhein – All You Can Row!


28. Juni 2015 / Dietmar Kup

Samstag, 20. Juni 2015 – 5:19 Uhr, Start der Ruderveranstaltung All You Can Row 2015 (AYCR). Im Vereinshaus des Karlsruher Rheinklubs Alemannia gab es schon vor dem Morgengrauen ein reges Gewusel. Die am Vortag angereisten auswärtigen Ruderinnen und Ruderer bereiteten sich auf die 4. Langstrecken-Tagesrudertour AYCR vor. AYCR ist keine Regatta – aber auch keine übliche Tageswanderfahrt. „Wie weit können wir auf dem Rhein von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang rudern?“ Das fragten sich die gemeldeten 46 Ruderinnen und Ruderer. Die Ziele zwischen Kühkopf, Ruderclub „Neptun“ Darmstadt e.V. (120 km) und Lahnstein (229 km) waren gesteckt – bei der Mainzer Rudergesellschaft wollten sich alle wiedersehen. Schirmherr Franz Gravenhorst schrieb in seinem Grußwort: „Gerudert wird nicht gegeneinander sondern miteinander… 16 Stunden Dauerbelastung sind eine extreme Herausforderung, da braucht man keine weiteren Gegner. Wer sich dieser Herausforderung stellt, hat schon alleine damit meinen vollen Respekt verdient!“

Nachdem Michael, alias „Dannes“ die kleinen, blauen Teilnehmer-Pins überreicht hatte, gab es kein Halten mehr für die Ruderinnen und Ruderer. Der Bonner Christian Klandt wartete bereits ungeduldig in seinem Einer  –  wie weit er mit dem Boot „Opa“ wohl rudern wird? Neun Gig-Vierer mit Steuerplatz legten vom Steg des Karlsruher Nordhafenbeckens ab. Unter ihnen die Boote des Landesruderverbandes Baden-Württemberg mit Obmann Dr. Werner Rudolph, Referatsleiter für Wanderrudern und Breitensport.

Ab jetzt waren die verantwortlichen Obleute mit den Mannschaften und Booten auf sich gestellt. Im Hafenbecken umhertreibende Baumstämme forderten von den Steuerleuten gleich zu Beginn erhöhte Wachsamkeit. Draußen auf dem großen Strom, gleich hinter der Karlsruher Rheinbrücke, Begegnung mit großen, roten und dicken Bojen. Sie können in der Strömung, beeinflusst durch vorbeifahrende Frachtschiffe, einige Meter seitwärts ausschwenken, und für ortsunkundige Steuerleute schnell das Ende einer fröhlichen Rudertour bedeuten. Der Pegel Maxau zeigte 595 cm, ein  idealer Wasserstand zum Überfahren der Buhnen. Die schnelle Strömung half beim Vorrankommen. Nach den ersten 10 Ruderkilometern wechselten die Steuerleute, der Ruderrhythmus wurde gefunden – und schon verspürten die ersten einen leichten Blasendruck. Pipi machen während schaukelnder Fahrt in eine extra mitgeführte Dose? Ja, wer‘s kann. Sonst bleibt nur qualvolles Durchhalten mit Nichttrinken bis zur nächsten Anlegemöglichkeit.

Mannschaften, die sich ein weites Ziel gesetzt hatten, machten nur einen kurzen Zwischenstopp – wenig Zeit zur Erholung. Essen und Trinken gab es im Boot während der Fahrt.

„Die Zwei-Stopp-Strategie – 10min Worms, 25min Geisenheim – war sicher eine gute Herangehensweise“, berichtete das Team um Obmann Jochen Betten. Nur ein heftiger Regenschauer bei Oppenheim und der starke Nordwind bremste die ambitionierte Mannschaft. Trotzdem ruderten sie die weiteste Strecke – 229 km bis zur Rudergesellschafft Lahnstein.

Christian Klandt, der tapfere Einerfahrer, beendete seine Mamut-Tagestour um 21:30 h in Spay mit 221 Ruderkilometern. „Prima, wenn jemand anders mehr spinnt als man selbst!“ So Jochen Betten vom sportlichen Tagesrekordteam.

Deutschlands markantester Schieferfelsen, die Loreley, wurde auch problemlos von Karl Ernst Heinsberg und seinem Team bereits eine Stunde vor Sonnenuntergang erreicht. Vorher machten sie noch eine kleine Verschnaufpause. Nach fast 16 Stunden auf dem Rollsitz sammelten die müde gewordenen Recken nochmals ihre Kräfte und ließen an der Zollburg Pfalzgrafenstein bei Kaub das Boot treiben. Endlich konnten sie das beeindruckende Weltkulturerbe Mittelrheintal mit der Burg Gutenfels bewundern. Die Ruderer hatten ihren Spaß an der Tour und gönnten sich zum Abschluss ihrer 200 km Strecke in St. Goar einen Besuch in der Weinstube.

Andere Teams beendeten mit 172 km in Bingen, mit 147 km in Mainz und mit 120 Ruderkilometern beim Kühkopf AYCR.

Insgesamt skullten die Ruderinnen und Ruderer 7548 km. 46 Mitglieder von 24 Vereinen waren beteiligt:

RC Aschaffenburg • Ruderunion (RUA) Berlin • Breisacher Ruderverein • Bonner RV • Ruderverein Esslingen • RV Rhenania Germersheim • Karlsruher Rheinklub Alemannia • Karlsruher RV Wiking • Kitzinger Ruderverein • Koblenzer RC Rhenania • Kölner Club für Wassersport • Creuznacher RV • RGF Lehrte/Sehnde • RTHC Bayer Leverkusen • Mannheimer RG Rheinau • Mannheimer Ruderclub 1875 • Neusser Ruderverein • RG SeexRhein Radolfzell • Ruderclub Rheinfelden • RC Steckborn CH • Stuttgart-Cannstatter Ruderclub • SG Stern Stuttgart • RC Titisee • RG Wiesbaden-Biebrich

AYCR-Manager Wolfdietrich Jacobs erntete nach Abholungen und Rückfahrten großes Lob für die Organisation. Abschließend wurde im Vereinshaus der Mainzer Rudergesellschaft die gelungene AYCR-Veranstaltung 2015 mit einem reichhaltigen Grillfest gefeiert – ob es künftig noch eine Steigerung geben kann? Am 18. Juni 2016 heißt es wieder All You Can Row!

 Wolfgang Gosda

Kristina Werner

Georg Moeser

Horst Emmel

Hannes Blank

Gabriele Weinmann

Dietmar Kup