11steden22


28. Juni 2022 / Wolfdietrich

Am Donnerstagmorgen startete der Großteil der KRA-Mannschaften vollbepackt mit zwei Stadtmobilbussen und Andreas’ Auto von Karlsruhe aus.

Das Ziel war ein überschaubarer Campingplatz in Leeuwarden, Friesland, wo auch die restlichen Ruder:innen zu uns stießen. Dort wurde erstmal aufgebaut (immerhin Zelte für 22 Ruder:innen), gekocht und festgestellt, dass wir ein paar nicht ganz unwichtige Sachen vergessen hatten.  Da wir aber kreative Köpfe unter uns hatten, haben sich alle Probleme durch ein bisschen Basteln wie von selbst gelöst.

Beim Abendessen (es gab Chili con/sin Carne),wurden die Wechselpläne erstellt und danach ging es ins Bett, die nächsten Tage würden schließlich aufregend und ein wenig anstrengend werden. Am Freitag herrschte geschäftiges Treiben auf und um den Campingplatz. Es wurde an den Booten gebastelt, letzte Lebensmittel eingekauft, Brote geschmiert, Kartoeln und Eier gekocht und Boxen mit Klamotten gepackt. Um dem ganzen Treiben entgegenzuwirken, machte die Jugend einen Ausflug in einen nahegelegenen Campingladen und kaufte ein paar Hängematten, um sie im Hänger zu montieren und vor dem Rennen noch ein bisschen zu schlafen. Schon am Donnerstag hatten wir den beeindruckenden Wind bemerkt, am Freitag wurde er noch stärker und wir machten uns ein bisschen Sorgen um die Etappen auf den Seen, wo es ziemlich wellig werden würde. Das ging natürlich nicht nur uns so; auch die Regattaleitung hatte das schon auf dem Schirm, sodass es noch sehr kurzfristig eine Routenänderung von ca. 210 km auf ca. 180 km gab – Umfahren der Seen. Also haben wir noch schnell unsere Wechselpläne angepasst und die Steuerleute umgeschult.

Aufgrund von Problemen im Raum-Zeit-Kontinuum beruhen die folgenden Zeitangaben auf Gefühlsbasis und sind ohne Gewähr. Tag/Nacht bezieht sich lediglich darauf, ob es zu dem Zeitpunkt hell oder dunkel war. Wenn bei einer Etappe nichts dabei steht, verlief sie unauffällig. Gegen 19 Uhr begaben sich die ersten Mannschaften in ihre Boote, um zum Start in Leeuwarden City zu rudern. Dort starteten die Boote ab 20 Uhr vor einer begeisterten Menschenmenge, welche die etwa 80 Ruderboote von ihren Yachten und vom Ufer aus anfeuerten.

 Leeuwarden – Bartlehiem (Tag)

Die Etappe lief gut, wir waren zügig unterwegs; der Wechsel verlief reibungslos.

 Bartlehiem – Silbrandahus (Tag)

Auch hier war noch alles in Ordnung und wir haben uns unter den ersten 10 bis 20 Booten bewegt.

 Silbrandahus – Silbrandahus (Sonnenuntergang)

An dieser Wechselstelle waren wir zweimal hintereinander (auf Hin- und Rückweg), sodass die Landmannschaft eine Pause hatte und dort sehnsüchtig auf die fleißigen Ruder:innen gewartet hat. Glücklicherweise gab es hier eine Brücke, die sich hervorragend dazu eignete, die neu erworbenen Hängematten erneut zu erproben.

Beim zweiten Wechsel an dieser Stelle hatte die Dämmerung schon eingesetzt. Um bei den schlechter werdenden Lichtverhältnissen die richtige unter den vielen Landmannschaften zu finden, kamen unser leuchtender KRA-Stern und unsere Leucht-Corona zum Einsatz. So konnte schnell der richtige Anlegeplatz ausgemacht werden.

Zeitlich waren beide Boote auf ungefähr einer Höhe, es lagen nur wenige Minuten zwischen den beiden Booten KRA 2 (Team) und KRA 1 (Marianne).

Silbrandahus – Bartlehiem (Nacht)

Die erste Nachtetappe wurde erfolgreich gemeistert.

Bartlehiem – Tegeltjesbrug (Nacht)

Marianne wurde im Starterfeld zurückgeworfen. Unter einer langen, schmalen Brücke bildete sich ein Stau, Marianne mittendrin. Davon ließen wir uns aber nicht demotivieren. Voller Ehrgeiz und Geschick arbeiteten wir uns einen Weg an den anderen Booten vorbei.

Tegeltjesbrug – RV Wetterville (Nacht)

Fast hätte sich Marianne verfahren, doch in letzter Sekunde haben wir die Kurve noch gekriegt. Das verwirrte ein paar der Boote hinter uns, denn sie haben auch nicht gecheckt, dass man abbiegen muss, sodass sie ein Wendemanöver einlegen mussten. So haben wir dann wieder ein paar Boote hinter uns zurückgelassen und konnten weiter fröhlich an einem Boot nach dem anderen vorbeiziehen.

RV Wetterville – Weidum (Nacht)

Beim Wechsel nach dieser Etappe haben wir plötzlich ein irritierendes „Platsch“ gehört und dann sahen wir prustend Michael im Wasser. Daraus haben wir gelernt, dass man in Grachten stehen kann und dass das Wasser nachts ziemlich kalt ist. Zum Glück hatten wir im Bus genug Wechselklamotten und einen warmen Schlafsack, sodass er sich wieder aufwärmen konnte.

Weidum – Dearsum/Boazum (Nacht)

Dearsum/Boazum – Sneek (Nacht)

Langsam endete die lange Nacht, und auch unsere Leucht-Corona war ziemlich am Ende.

Sneek – Woudsend (Nacht)

Woudsend – Oosthem (Sonnenaufgang)

Kleine Planänderung bei Marianne: Wolfgang fiel aufgrund von akuter Müdigkeit für die nächsten vier Stunden aus, sodass Gloria für ihn ein einsprang.

Oosthem – Tjerkwerd (Tag)

Tjerkwerd – Workum (Tag)

Unter einer sehr tiefen (die komplette Frauschaft lag im Boot, um sich nicht den Kopf zu stoßen) und eigentlich ausreichend breiten Brücke setzte Marie das Boot (Marianne) gekonnt gegen eine Dalbe. Zuerst gingen wir davon aus, dass die Dolle sich verbogen hatte, doch wie spätere Untersuchungen ergaben, handelte es sich nicht um die Dolle, sondern um den Ausleger. Auf den letzten ein bis zwei Kilometern war Gloria (Schlagfrau) mit den Kräften völlig am Ende. Flink wurde im Boot geklettert, sodass Marie bisher Steuerfrau) sich noch ein bisschen in zwei Skijacken warmrudern durfte. Aufgrund des Schadens am Ausleger musste das Boote beim folgenden Wechsel aus den Wasser gehoben werden. Der verbogene Ausleger wurde mit ein paar gezielten Schlägen mit einem geliehenen Hammer wieder „repariert“.

Workum – Trekwerd (Tag)

Tjerkwerd – Hichtum (Tag)

Ein äußerst optimistischer Angler hatte beschlossen, ein bisschen zu angeln. Sehr zu unserem Leidwesen, denn seine Angelleine verfing sich an Mariannes Positionsleuchte und konnte selbst durch eine Akrobatikeinlage von Alex nicht gelöst werden. Letztendlich hat uns der Angler selbst befreit. Beim folgenden Wechsel gingen dann die nächsten baden. Diesmal waren Alex und Rita an der Reihe. Dabei haben wir gelernt, dass das Wasser tagsüber eigentlich ganz warm ist (laut Alex).

Hichtum – Arum (Tag)

Arum – Harlingen (Tag)

Die Etappe war sehr kurvenreich. In Kombination mit dem starken Wind sorgte das mehrmals dafür, dass wir im Schilf landeten. Immerhin weicher und angenehmer als eine Dalbe. Trotzdem ein bisschen blöd, um das Boot aus dem Schilf zu entwirren.

Harlingen – Franeker (Tag)

Franeker – Ried (Tag)

Ried – Menaldum (Tag)

In Menaldum wurden die Frischlinge in eine super wichtige Tradition eingeführt: Da der Wechselplatz unmittelbar neben einem Supermarkt ist, MUSS man hier Eis kaufen. Und weil wir so nette und großzügige Menschen sind, boten wir unseren niederländischen Mitruder:innen ein (oder auch ein paar mehr) Eis an. Nächstes Jahr geben sie uns welches aus.

Menaldum – Hogedijk (Tag)

Hogedijk – RV Wetterville (Tag)

Endspurt!!! Team (KRA 2) fuhr nach flotten 19 Stunden 2 Minuten ins Ziel ein und errang damit einen super Platz 15. Marianne erreichte nach 21 Stunden 18 Minuten ins Ziel ein und ist damit auf Platz 56. Bei Team lag der Fokus auf der Zeit, bei Marianne eindeutig auf Action. Laut Erzählungen der alten Hasen gab es in den vergangenen Jahren im Ziel immer ein Stück wunderbar unverschämt-süßen Kuchen. Doch bei der Zieleinfahrt mussten wir alle mit Schrecken feststellen, dass dem nicht mehr so ist. Stattdessen bekam jede Mannschaft ein Fryske Sûkerbôle (friesisches Zuckerbrot). Darüber kann man sich zwar nicht wirklich beschweren, trotzdem wurde um den hoch angepriesenen Kuchen getrauert. Auf der Rückfahrt hätten wir eigentlich noch einen Abstecher über die Werft in Bonn machen sollen. Glücklicherweise waren ein paar Bonner ein Leeuwarden. Dank Andreas’ Überredungskünsten haben die netten Bonner unsere ganzen Boote mitgenommen und Marianne hatte unseren kompletten Anhänger für sich allein.

Bericht: Marie Wittelsberger